Sondereinsätze der Feuerwehr

Feuerwherleute mit einem gelöschten LKW in einem Tunnel

Feuerwehr

Sondereinsätze der Feuerwehr

Jedes Jahr hat die Feuerwehr in Deutschland mehrere Millionen Einsätze. Dabei geht es nur zu einem geringen Prozentsatz um Brände und Explosionen. Für alle anderen waren Sondereinsätze nötig: die Portalfeuerwehr, die Ölwehr, Spürtrupps mit ABC-Zug, die Höhenrettung oder Krankentransporte mit Notärzten. Die Feuerwehrzentrale entscheidet, welche Sondereinheit zum Einsatz fährt. Wo ausgebildete Leute fehlen, übernehmen andere Hilfsorganisationen die Rettung.

112 – wenn es im Tunnel brennt

Für Brände im Verkehrstunnel ist die sogenannte Portalfeuerwehr zuständig. Sie ist besonders für Bahn- und Straßentunnels ausgebildet. Die Atemschutzgeräte der normalen Feuerwehr würden nur für einen 40 Minuten langen Aufenthalt in einer Brand- und Rauchzone ausreichen.

Die speziellen Atemschutzgeräte der Portalfeuerwehr ermöglichen einen vierstündigen Aufenthalt. Das ist wichtig: Allein die Fahrt im Tunnel zum Brandherd kostet Zeit. Wo neue Löschtechnik in den Tunnels zum Einsatz kommt, kann ein Brand schon recht gut beherrscht werden. An der Tunneldecke verlaufen Wasserleitungen mit winzigen Düsen.

Bricht ein Feuer aus, schießt das Wasser durch winzige Nebeldüsen mit einem zwanzigfach höheren Druck als aus einer normalen Leitung. Über den Rauch zieht nun ein dichter Nebel von mikroskopisch kleinen Wassertröpfchen. Beim Verdampfen dehnen sie sich um mehr als das Tausendfache aus und ersticken das Feuer.

Beim Einsatz älterer Sprinkleranlagen sind die Tropfen zu groß, um einen Nebel zu bilden. Sie fallen wirkungslos zu Boden. Dort ist Eigenverantwortung notwendig, wie die Tunnelbrände 1999 im Montblanc und im Tauerntunnel gezeigt haben.

Versuchen Autofahrer dem Feuer zu entkommen, indem sie die Fahrtrichtung wechseln, verkeilen sich die Autos. Chaos entsteht und die Feuerwehr kann nicht zum Brandherd vordringen. Daher sollte man so rasch wie möglich zu Fuß den Tunnel verlassen. Das ist die sicherste Rettungsmethode.

Wärmebildkameras zeigen der Feuerwehr außerdem, wo im dichten Rauch noch Menschen zu finden sind.

112 – Rettung aus Höhen und Tiefen

Höhenrettung gibt es nicht nur in den Bergen. Die Sondereinsatzkräfte der Feuerwehr retten zum Beispiel auch Menschen, die sich das Leben nehmen wollen und auf Gerüsten, Türmen, Brücken oder Hochhäusern stehen.

Oder Menschen, die in schwindelnder Höhe plötzlich einen Schlaganfall erleiden oder einen Herzinfarkt, beispielsweise Kletterer oder Kranführer. Zur Höhenrettung zählt auch die Rettung aus der Tiefe, wenn zum Beispiel jemand in einen Schacht fällt, in einen Tank, in eine Felsspalte oder in einer Höhle in Not gerät

Neben der normalen Grundausbildung zum Feuerwehrmann erhält der zukünftige Höhenretter eine Spezialausbildung und eine Ausbildung als Rettungssanitäter. Damit es im Ernstfall klappt, gibt es jedes Jahr eine bestimmte Anzahl von Übungsstunden.

Zur Ausrüstung der Höhenretter gehören neben der eigenen Schutzkleidung vor allem Kletterhilfen, Flaschenzüge, Seile, Rettungsgurte und Schleiftragen zum Transport von Kranken und Verletzten.

Hat sich ein Haustier, eine Katze oder ein Vogel, selbstständig gemacht und sitzt nun oben in den Wipfeln eines Baumes, kommt die Höhenrettung der Feuerwehr nicht. Dafür reicht meistens die lange Feuerwehrleiter. Mehrere Zehntausend entlaufene Tiere, auch Schlangen und Insekten, fängt die Feuerwehr jedes Jahr wieder ein.

Jo Hiller bei der Höhenrettung 04:51 Min. Verfügbar bis 30.12.2099

112 – wenn gefährliche Stoffe entweichen

Der Gefahrenstoffzug der Feuerwehr ist für den Katastrophenschutz gedacht. Eingerichtet wurde er in der Zeit des Kalten Krieges in den 1970er und 1980er Jahren. Er sollte die Bevölkerung vor Gesundheitsschäden schützen, sollte es zum Angriff durch Massenvernichtungsmittel kommen.

Gemeint waren damit atomare, biologische und chemische Waffen (ABC). Heute wird er bei Chemieunfällen eingesetzt oder bei sogenannten Gefahrgutunfällen, bei Unfällen in Atomkraftwerken und anderen Industrien mit gefährlichen Stoffen.

Ausgerüstet ist solch ein Gefahrenstoffzug je nach Unfall mit Atemschutz- und Strahlenschutzgeräten, Messgeräten und ganz wichtig: Experten, die den gefährlichen Stoff professionell aufspüren und beseitigen können.

Mal geht es um explosive Gase, mal um giftigen Rauch oder um radioaktive Strahlungen. Die örtliche Feuerwehr hilft dann nur bei der Absperrung des Gebietes. Solch einen hochspezialisierten Gefahrenstoffzug können sich nur große Städte leisten und Industrieanlagen, die gefährliche Stoffe produzieren und lagern.

Wenn gefährliche Mineralprodukte auslaufen, wird die sogenannte Ölwehr der Feuerwehr alarmiert. Das kann bei einem Unfall mit einem Tanklaster passieren, der Mineralöl transportiert. Das kann auch auf See sein oder an den Küsten.

Die Feuerwehren an der deutschen Nord- und Ostseeküste und auf den Inseln sind auf solche Ölhavarien eingestellt. Unterstützt werden sie meistens vom Technischen Hilfswerk (THW), das mit speziellen Pumpen, Containern und Ölbekämpfungsschiffen hilft.

Feuerwehrleute in Schutzanzügen nach einem Chemieunfall

Eine Arbeit für Spezialisten

Autorin: Bärbel Heidenreich

Stand: 20.02.2017, 15:21

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