Red Adair – der berühmteste Feuerwehrmann der Welt

Red Adair mit weißem Helm in der irakischen Wüste. Im Hintergrund eine brennende Ölquelle.

Feuerwehr

Red Adair – der berühmteste Feuerwehrmann der Welt

Man nannte ihn "Herr der Flammen" und "Katastrophenkiller". Niemand bekämpfte Großbrände so erfolgreich wie Paul Neal Adair. Der Texaner, wegen seiner roten Haare "Red" gerufen, wurde zum berühmtesten Feuerwehrmann weltweit und war schon zu Lebzeiten eine Legende.

Mit Dynamit Flammen bekämpfen

In den 1930er Jahren arbeitet Adair als junger Hilfsarbeiter auf den texanischen Ölfeldern, als dort eine Ölquelle außer Kontrolle gerät. Alle Arbeiter flüchten, weil sie einen sogenannten Blow-out fürchten.

Während das Öl normalerweise mit Druck aus der Tiefe gleichmäßig im Förderrohr aufsteigt, sucht es bei einem Blow-out eigene Wege oder schießt unkontrolliert hoch. Dabei kann es zum gefährlichen Brand kommen. Der damals 23-jährige Adair behält als einziger die Nerven und verschließt das Ventil.

Der Pionier der Bekämpfung von brennenden Ölquellen ist zu dieser Zeit der Feuerwehrmann Myron M. Kinley. Als er von Adairs mutigem Einsatz hört, nimmt er den jungen Mann sofort in die Lehre.

Gemeinsam entwickeln sie in den 14 Jahren ihrer Zusammenarbeit eine neue Methode, Öl- und Gasbrände zu löschen: Sie benutzen Dynamit und bekämpfen die Flammen durch Sprengstoffexplosionen. Damit entziehen sie dem Brandherd den Sauerstoff.

Adair gegen "des Teufels Feuerzeug"

1959 gründet Adair seine eigene Firma, die "Red Adair Company". Rot ist sein Markenzeichen. Rot ist auch seine hitzebeständige Kleidung aus einem Material, das als chemischer Abkömmling des ersten vollsynthetischen und gleichzeitig hitzebeständigen Kunststoffs gilt, dem Bakelit.

1962 entzündet sich eine Gasquelle in der algerischen Sahara. Sechs Monate lang brennt die bis zu 250 Meter hohe Flamme. In der Weltpresse nennt man sie "des Teufels Feuerzeug".

Adair kalkuliert mehrere Monate für die Löschung: Dann zündet er mit seinem Team 340 Kilogramm Nitroglyzerin. Der Brand ist zwar gelöscht, doch nun muss Adair noch die Auslassöffnung verschließen.

Nach sechs Monaten ist es so weit. Adair wird gefeiert. Er ist ein weltweit gefragter Mann. Hollywood verfilmt 1968 sogar sein Leben mit John Wayne in der Hauptrolle. In den USA läuft der Film unter dem Titel "Hellfighters". In Deutschand kommt er unter dem Titel "Die Unerschrockenen" ins Kino.

In einer sandigen, flachen Wüstenlandschaft stehen zwei traditionell gekleidete Kuwaitis vor einer brennenden Ölquelle.

Brennende Ölquellen 1991 in der kuwaitischen Wüste

Einsatz in Deutschland

Durch einen zu raschen Vortrieb gerät 1980 in Frankenthal in der Pfalz eine Bohrung außer Kontrolle. Aus dem Erdloch fauchen rund 40.000 Kubikmeter Erdgas. Ein kleiner Funke könnte das Gas entzünden.

Im bayerischen Bierwang gibt es derweil ein ähnliches Unglück: Dort entweichen aus dem unterirdischen Gasspeicher 400.000 Kubikmeter Erdgas, bis es Adair gelingt, die Bohrlöcher zu schließen. Sein Honorar schätzt "Der Spiegel" auf 50.000 Dollar pro Tag.

Im Juli 1988 kommt es in der Nordsee zu einer bis dahin nie da gewesenen Brandkatastrophe auf der Bohrinsel "Piper Alpha". Man hatte sie 1976 als Ölplattform gebaut und 1980 auf Gas umgerüstet. Bei der Brandkatastrophe kommen 167 Menschen ums Leben, zwei Drittel der Besatzung. Die Plattform brennt drei Wochen lang, bis Adair und sein Team die Bohrlöcher mit Zement verschließen.

Adairs Team bekämpft pro Jahr durchschnittlich 42 brennende Ölquellen und Blow-outs. Die Ölfirmen zahlen ihm riesige Summen. Doch er setzt sich mit seinem Vermögen nicht zur Ruhe. Der Millionär aus armen Familienverhältnissen bleibt Feuerwehrmann. Mit seinem Geld unterstützt er Kinderhilfswerke, medizinische Institute, Gesellschaften und Stiftungen.

Mann mit kranähnlichem Gerät in nächtlicher Dunkelheit vor einem Großfeuer.

Auf den Ölfeldern im südlichen Kuwait 1991

Brennende Ölquellen in Kuwait

Februar/März 1991: Der zweite Golfkrieg ist zu Ende. Da entzünden Saddam Husseins abziehende irakische Truppen in einer Politik der "verbrannten Erde" noch die Ölquellen des Kriegsgegners am Persischen Golf. Insgesamt brennen drei Viertel der fast 1000 Ölquellen in Kuwait.

Adair ist inzwischen 78 Jahre alt. Es ist der letzte Großeinsatz unter seiner Leitung. Das größte Problem in dem brennenden Wüstengebiet ist die Logistik. Es mangelt an notwendigem Material und die Transportwege sind zerstört. Er kalkuliert daher drei Jahre für die Brandbekämpfung, schafft es aber schließlich in neun Monaten.

Paul Neal Adair wird als Held gefeiert und erhält zahlreiche Auszeichnungen. Er hat in seinem Leben rund 2000 Brände gelöscht und während seiner gefährlichen Einsätze etliche Verletzungen erlitten. Doch keiner seiner Leute ist durch die Brandeinsätze ums Leben gekommen.

1993 verkauft Adair seine Firma "Red Adair Company" und gründet die Beratungsfirma "Adair Enterprise". Bis zu seinem Tod bleibt er ihr Präsident. Adair stirbt 2004 in seiner texanischen Heimatstadt Houston im Alter von 89 Jahren.

Brennende Ölquellen

Saddams Truppen setzten Kuwaits Ölquellen in Brand

Autorin: Bärbel Heidenreich

Stand: 20.02.2017, 15:08

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