Sigmund Freud – Beginn der Psychoanalyse

Sigmund Freud, Aufnahme von 1909.

Psychotherapie

Sigmund Freud – Beginn der Psychoanalyse

Sigismund Schlomo Freud wird 1856 in Freiberg in Mähren, dem heutigen Přibor in Tschechien, geboren. Sein Vater Jacob, ein jüdischer Stoffhändler, hat bereits zwei Kinder aus erster Ehe, Sigismunds Mutter Amalia ist seine dritte Frau. Als der Textilbetrieb des Vaters durch eine Wirtschaftskrise ruiniert wird, zieht die Familie 1860 nach Wien. Dort geht Sigismund aufs Gymnasium, studiert Medizin und habilitiert im Fach Neuropathologie.

Freud behandelte Hysterie mit der Technik der "freien Assoziation"

Durch ein Stipendium kann er ein Gastsemester bei dem berühmten Pariser Psychiater Jean-Martin Charcot verbringen. Dieser setzt sich mit der damaligen Modekrankheit Hysterie auseinander, bei der Frauen schrien und tobten, und will sie mit Hypnose heilen.

Zurück in Wien heiratet Freud Martha Bernays, Tochter einer jüdischen Familie aus Hamburg, und eröffnet eine neurologische Praxis. Gemeinsam mit dem Arzt Joseph Breuer stellt er 1895 in den "Studien über die Hysterie" den Fall der Anna O. vor.

Dieser Fall veranlasste Freud, bei der Behandlung von Hysterie immer mehr auf Hypnose zu verzichten und stattdessen die Technik der "freien Assoziation" anzuwenden.

Bei dieser Methode soll der Patient seinen Gedanken zu verschiedenen Themen freien Lauf lassen, weil Freud glaubte, nur so an das Unbewusste zu gelangen. Im selben Jahr wird Freuds sechstes und jüngstes Kind Anna Freud geboren, die später seine wissenschaftliche Mitarbeiterin und Nachfolgerin wird.

Im Jahr 1900 erscheint "Die Traumdeutung", Freuds erste große Darstellung der Psychoanalyse: Der Antrieb menschlichen Verhaltens entspringe unterbewussten sexuellen Fantasien, denen gesellschaftliche Normen gegenüberstehen, so Freuds Theorie. Träume seien verschlüsselte Hinweise auf den Konflikt zwischen menschlichen Wünschen und Verboten.

Zwei Jahre nach dieser Veröffentlichung wird Freud Professor und gründet die psychologische Mittwochs-Gesellschaft: Diese Gruppe trifft sich wöchentlich in Freuds Wartezimmer und diskutiert über seine Lehre.

Das Es, das Ich und das Über-Ich

1909 folgt Freud einer Einladung an die Clark University (USA), um dort Vorträge zu halten. Freuds Psychoanalyse findet vermehrt Beachtung und er versucht, Abweichungen von ihr zu verhindern. Dadurch kommt es zum Bruch mit einigen seiner Schüler, darunter mit Alfred Adler und Carl Gustav Jung.

1923 veröffentlicht Sigmund Freud seine Schrift "Das Ich und das Es". Das dort beschriebene, berühmt gewordene Modell geht davon aus, dass die menschliche Psyche aus dem Es, dem Ich und dem Über-Ich besteht.

Das Es steht für das Unbewusste, das heißt für Triebe, Bedürfnisse und Affekte. Wird ein Mensch geboren, besteht er zunächst nur aus dem Es: Einem Baby geht es ausschließlich darum, seine angeborenen Triebe durchzusetzen, zum Beispiel Nahrung aufzunehmen und berührt zu werden.

Das Ich entspricht dem bewussten eigenen Denken und vermittelt einem Menschen das Bild, das er von sich selbst hat. Das Ich handelt nach dem Realitätsprinzip statt nach dem Lustprinzip des Es'.

Das Über-Ich dagegen ist nach Freud die psychische Struktur, in der soziale Normen und Werte verankert sind, also alles, was durch Erziehung und von außen an den Menschen herangetragen wurde.

Flucht vor den Nazis

Schon zu Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft werden in Deutschland 1933 Freuds Schriften öffentlich verbrannt. Als am 12. Mai 1938 deutsche Truppen in Österreich einmarschieren, muss Freud fliehen.

Mit Hilfe von Freunden gelangt er über Paris nach London, wo er begeistert aufgenommen wird. Dort kann Freud weiter praktizieren, soweit es seine Krankheit zulässt.

Sigmund Freud, Aufnahme von 1926.

In London wird Freud begeistert aufgenommen

Bereits 1922 war Freud – wahrscheinlich weil er ein starker Raucher war – an Gaumenkrebs erkrankt und wurde im Laufe der Jahre mehrmals operiert. In der Nacht zum 23. September 1939 stirbt Freud im Alter von 83 Jahren an den Folgen seines Krebsleidens.

Freuds Tochter Anna lebt und arbeitet dort bis zu ihrem Tod 1982. Das Haus in London mit der berühmten Analyse-Couch ist wie die Wohnung und die Praxisräume in Wien heute als Freud-Museum eingerichtet.

Autorin: Claudia Heidenfelder

Stand: 17.04.2018, 09:31

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