Die Entdecker

Gemälde: Ein Segelschiff ist von indianischen Kanus umringt.

Kanada

Die Entdecker

Geschichte ist stets mit Namen verbunden. In Kanada sind es die Namen von Abenteurern und Entdeckern der ersten Stunde. Drei Männer haben zur Zeit der Kolonialisierung eine besondere Rolle gespielt: Giovanni Caboto, Jacques Cartier, Samuel de Champlain.

Darum geht's:

  • Weltentdecker führen ein hartes Leben auf See, stets getrieben von der Hoffnung, überhaupt das richtige Land zu finden.
  • Wir stellen drei Seemänner vor, die maßgeblich an der Entdeckung und Gründung Kanadas beteiligt waren:
  • Giovanni Caboto, Jacques Cartier, Samuel de Champlain

Giovanni Caboto – der Erste

Fünf Jahre nachdem Christoph Kolumbus in der "Neuen Welt" an Land gegangen war, startete sein Landsmann Giovanni Caboto, später John Cabot genannt, im Jahr 1497 seine erste Expedition, um weiter nördlich nach einem kürzeren Weg von Europa nach Asien zu suchen.

Caboto stammte vermutlich aus Genua, wo er um 1450 zur Welt kam. Längere Zeit lebte er in Venedig, von wo er 1490 völlig überschuldet fliehen musste. Zunächst in Sevilla und Lissabon, später in England, bemühte er sich um ein Schiff und eine Mannschaft.

Er stach am 2. Mai 1497 mit seinem Schiff "Matthew" und einer Besatzung von nur 18 Mann in See – im Auftrag einiger englischer Kaufleute und unter dem Schutz von König Heinrich VII.

Am 24. Juni traf er auf unbekanntes Land, das er für China hielt – vermutlich handelte es sich um Neufundland, vielleicht aber auch um die Nordspitze Neuschottlands. Er betrat es nur kurz, um im Namen Heinrichs VII. Besitz davon zu ergreifen.

30 Tage lange folgte er dem Küstenverlauf, ohne eine Menschenseele zu sehen. Im August war Caboto wieder in Bristol und verkündete stolz, Asien entdeckt zu haben.

Ein Jahr später brach er erneut auf. Dieses Mal bestand seine Expedition aus fünf Schiffen mit einer Besatzung von rund 300 Mann. Das Ziel der Reise war es, bis nach Japan vorzustoßen.

Nur eines der Schiffe landete kurz darauf in einem irischen Hafen, nachdem es in Seenot geraten war. Von den anderen Schiffen – und auch von Caboto – hat man nie wieder etwas gehört.

Was blieb, war die Kunde von riesigen Fischbeständen an der Neufundland-Bank, die schon bald darauf Fischer aus Frankreich, England, Portugal und Spanien zum neuen Kontinent lockte. Der Tauschhandel kam auf – und insbesondere die Pelze entwickelten sich in Europa bald zum begehrten Gut.

Jacques Cartier – der Namensgeber

1524 stiegen auch die Franzosen in den Wettlauf um die Reichtümer des Fernen Ostens ein. Erstmals wurden genaue offizielle Karten und Schriften veröffentlicht.

Ein weiterer Italiener, diesmal in französischen Diensten, Giovanni de Verrazano, erforschte die Küste von Florida bis nach Labrador und schrieb auf seine Karte die Worte "Nova Gallia" – Neufrankreich.

Jacques Cartier steht vor einem hohen Holzkreuz, das er zu Ehren des französischen Königs errichtet hat. Vor ihm stehen und knien einige Ureinwohner.

Cartier brachte das Fell nach Europa

1534 erhielt der Kapitän Jacques Cartier vom französischen König Franz I. den Auftrag, "nach den Ländern der Terres Neuves zu segeln, um jene Inseln und Länder zu entdecken, auf denen es große Mengen von Gold und anderen Reichtümern gibt". Von seiner Geburtsstadt St. Malo aus verließ er am 20. April 1534 seine Heimat mit zwei Schiffen und 61 Mann.

Nur 20 Tage dauerte die Überfahrt, dann landete er an Neufundlands Küste. Steinig und wertlos fand er dieses Land, "das Gott Kain gab" – und setzte Segel südwärts. Vorbei an Prince Edward Island und Neubraunschweig gelangte er in die Mündung des St. Lorenz-Stromes, wo er an Land ging.

Mit den Micmac-Indianern trieb er sofort regen Handel: Messer und Gegenstände aus Eisen, ja sogar ein roter Hut, gegen die begehrten Felle.

Cartier hielt fest: "Sie zeigten eine große und wunderbare Freude, jene Gegenstände zu haben und zu erhalten. […] Und sie gaben uns alles, was sie hatten, derart, dass sie schließlich ganz nackt zurückkehrten."

Den Stammeshäuptling Donnacona konnte Cartier überreden, zwei seiner Söhne mit ihm nach Frankreich zu schicken – dort lernten sie seine Sprache und dienten ihm später in ihrer Heimat als Führer.

Ein Jahr später war Cartier zurück und segelte den breiten Strom hinauf, den er St. Lorenz taufte. Erstmals tauchte auch der Name "Kanada" auf – die beiden Häuptlingssöhne sprachen immer wieder davon, so dass Cartier annehmen musste, es handele sich um das Land, aus dem sie kamen.

Tatsächlich bezeichnete der Ausdruck in der Sprache ihres Stammes einfach ein Dorf. Als Cartier endlich Hochelaga (das heutige Montreal) erreichte und den Mont Réal bestieg, fand sein Traum, über den St. Lorenz-Strom nach China zu gelangen, ein jähes Ende. Die Stromschnellen unter ihm versperrten jeden weiteren Weg nach Westen.

Cartier kam 1541 noch ein drittes Mal nach Kanada – mit über 1500 Männern und Frauen, um dort zu siedeln. Doch der harte Winter, Krankheiten und die Bedrohung durch die Indianer trieben die Überlebenden schon nach einem Jahr zurück nach Frankreich.

Samuel de Champlain – der Gründer

Als Sohn eines Schiffskapitäns wurde Samuel de Champlain 1567 in Brouage am Golf von Biskaya geboren. Im Dienste des spanischen Königs nahm er an zahlreichen wichtigen Expeditionen teil und besuchte fast alle wichtigen Häfen Amerikas.

Aus einem ovalen Rahmen schaut ein Mann mittleren Alters mit einem Kinnbart den Betrachter streng an. Darunter stehen auf Französisch die Worte: Samuel de Champlain, Gründer der Hauptstadt Québec des Landes Kanada.

Samuel de Champlain führte Pelzhändler ins Land

1601 kehrte er nach Frankreich zurück. 1603 wurde er zum Geografen der Amerika-Expedition ernannt. Das Hauptinteresse der Franzosen galt in Kanada mittlerweile dem Pelzhandel.

Als Pelzhändler im Jahr 1603 mit einem Handelsmonopol des Königs Heinrich IV. ausgestattet den Atlantik überquerten, leitete Champlain die Expedition. In der Fundy-Bucht gründete er die Siedlung Port Royal, das spätere Annapolis.

Doch der erwünschte Erfolg blieb aus, denn Champlain entdeckte keinen Fluss, der den Weg tief ins Landesinnere öffnete, wie es für einen erfolgreichen Pelzhandel nötig gewesen wäre. Champlain kehrte deshalb nach Frankreich zurück und warb für eine weitere Siedlung am St. Lorenz-Strom.

1608 konnte er dann seine Vorstellung umsetzen. Er errichtete einen Handels- und Zollposten sowie Quartiere an der engsten Stelle des St. Lorenz, an der das Steilufer ins Wasser vortritt. Québec war gegründet. Nach einem langen, harten Winter lebten von den 29 Bewohnern nur noch neun.

Champlain ließ sich davon nicht beirren. Er wartete auf Verstärkung, verbündete sich mit dem Indianervolk der Huronen und fuhr den St. Lorenz hinauf, bis er schließlich den See erreichte, dem er seinen Namen gab – den Lake Champlain.

Die Siedler kamen zögerlich, aber sie kamen – und bis 1627 hatten 65 Menschen Französisch-Kanada zur neuen Heimat erwählt. Champlain wurde zum Gouverneur von Neufrankreich ernannt.

Dann wirkte sich der Krieg zwischen Frankreich und England bis nach Québec aus. Die Kirke Brothers, schottische Freibeuter, plünderten das St. Lorenz-Tal und äscherten die Siedlung 1629 ein. Champlain geriet in englische Gefangenschaft.

Im Vertrag von St. Germain-en-Laye erhielt Frankreich 1632 die kanadische Kolonie zurück – und Champlain kehrte dorthin zurück, wo er drei Jahre später starb. Die Menschen in Québec nennen ihn bis heute den "Vater der Nouvelle-France".

Autorin: Katrin Lankers

Weiterführende Infos

Stand: 09.06.2017, 12:40

Darstellung: