Dentaltourismus – Urlaub auf dem Zahnarztstuhl

Zahnarzt und Zahnarzthelferin aus der Perspektive des Patienten.

Zähne

Dentaltourismus – Urlaub auf dem Zahnarztstuhl

Besuche beim Zahnarzt können weh tun – vor allem der Blick auf die Rechnung. Ganz besonders schmerzhaft wird es für Patienten, die teuren Zahnersatz benötigen, denn die Krankenkassen übernehmen nur noch einen geringen Teil der Kosten. Den Rest müssen die Versicherten aus eigener Tasche zahlen, in Deutschland sind das oft mehrere Tausend Euro.
In Ungarn, Tschechien oder Polen hingegen sind Zahnbehandlungen bis zu 70 Prozent günstiger – auch für Deutsche. Deswegen entsteht seit einigen Jahren ein neuer Wirtschaftszweig: Dentaltourismus.

Gebisse für Grenzgänger

Das westungarische Städtchen Sopron an der Grenze zu Österreich hat 55.000 Einwohner. Etwa 300 davon sind Zahnärzte, und viele behandeln in ihren Praxen längst vor allem Deutsche oder Österreicher.

Die Zahntouristen kommen, weil sie hier sparen können: Löhne, Mieten und Laborkosten sind in Ungarn viel niedriger als in Deutschland.

Bürger der Europäischen Union (EU) haben das Recht auf freie Arztwahl. Ob man sich in Deutschland behandeln lässt, in Polen, Tschechien oder Ungarn, ist egal – die Krankenkasse muss immer den gleichen Zuschuss zahlen.

Wenn die Rechnung niedrig ausfällt, kann sich der Eigenanteil des Patienten so auf null reduzieren – theoretisch zumindest, denn bei der Kalkulation einer solchen Reise darf man nicht vergessen, dass Unterkunft, Verpflegung und Anreise ebenfalls bezahlt werden müssen. Diese Posten übernimmt die Krankenkasse auf keinen Fall.

Zahnarztpraxisschild in deutscher und ungarischer Sprache

Auf Deutsche spezialisiert – Zahnarztpraxis in Ungarn

Erst der Papierkram, dann die Reise

Die meisten Patienten, die sich im Ausland behandeln lassen, tun dies für Brücken, Kronen und Implantate, denn bei Zahnersatz ist die Kostenersparnis am größten. Wichtig: Zahnersatz ist genehmigungspflichtig, die Krankenkasse muss also zustimmen.

Das gilt allerdings auch, wenn man zu einem deutschen Arzt geht. Für den Dentaltouristen heißt das aber: erst der Papierkram, dann die Reise.

Zunächst sollte man sich bei einem deutschen Arzt einen Heil- und Kostenplan erstellen lassen. Der Plan listet alle Schritte der Behandlung auf, die der Zahnarzt für notwendig hält, und nennt den Preis dafür.

Diesen Heil- und Kostenplan kann man dann an einen ausländischen Arzt schicken und sich ein Gegenangebot machen lassen. Besser ist natürlich eine Vorbesichtigung, bei der man den Arzt und seine Räumlichkeiten kennenlernt.

Aber auch wenn alles einen ausgezeichneten Eindruck macht: Bevor die Behandlung beginnen kann, muss man den Heil- und Kostenplan des ausländischen Arztes an die Krankenkasse weiterreichen und genehmigen lassen. Die Rechnung für die Behandlung im Ausland muss der Patient übrigens meist bar vor Ort bezahlen – die Krankenkasse erstattet ihren Anteil später zurück.

Sonne, Sand und neue Zähne

"Zubař", "fogorvos", "dentysta" – so heißt "Zahnarzt" auf Tschechisch, Ungarisch oder Polnisch. Wissen muss ein Dentaltourist das aber nicht, die meisten Zahnärzte, die sich auf ausländische Patienten spezialisiert haben, sprechen sehr gut Deutsch.

Viele arbeiten außerdem mit Agenturen zusammen, die bei Bedarf die komplette Reise organisieren: Der Patient wird am Flughafen abgeholt, zur Praxis gebracht, danach in eine Unterkunft seiner Wahl, und manchmal gibt es auch noch eine Stadtführung dazu – auf Deutsch.

Viele Patienten schrecken trotzdem vor einer Zahnbehandlung im Ausland zurück, auch wegen des erheblichen Zeitaufwands. Deshalb werben ausländische Anbieter verstärkt damit, statt eines Kurztrips gleich eine "Traum-Zahnreise" zu machen: einen Gesundheitsurlaub, bei dem man außer weißen Zähnen auch noch braune Haut bekommt, zum Beispiel auf Mallorca.

So eine Zahnreise ist nicht billig und trotzdem irgendwie gratis, rechnen die Anbieter – denn in Deutschland hätte man für den Zahnersatz ja bis zu 40 Prozent mehr gezahlt als in Spanien.

Was tun, wenn etwas schiefgeht?

Die Gewährleistungspflicht für Zahnersatz gilt zwei Jahre – nicht nur in Deutschland, sondern überall in der EU. Während dieser Zeit muss der Zahnarzt gratis nachbessern, wenn es zu Problemen kommt. Viele ausländische Zahnärzte bieten sogar längere Garantien an, um Patienten anzulocken, man sollte sich also unbedingt erkundigen.

Problematisch kann es für Dentaltouristen mit Zahnersatz aus dem Ausland werden, wenn Nachbesserungen nötig sind. Die sind zwar immer kostenlos, aber Flug und Unterkunft sind es nicht. Die Nachbesserungen bei einem deutschen Arzt machen zu lassen, ist auch keine gute Idee, dadurch geht der Garantieanspruch an den ausländischen Arzt verloren.

Um zu verhindern, dass kleine Korrekturen für den Patienten auf diese Weise sehr teuer werden, arbeiten viele ausländische Zahnärzte mit deutschen Partnern zusammen, die Nachbesserungen übernehmen können.

Wer mit den neuen Zähnen nicht zufrieden ist, hat selbstverständlich auch in Spanien, Polen, Ungarn oder Tschechien die Möglichkeit zu klagen, aber eben nur dort. Der Rechtsstreit muss im jeweiligen Land geführt werden.

Sollte es so weit kommen, ist eine sogenannte "Konformitätserklärung" sehr nützlich, man sollte deshalb bei einer Zahnersatzbehandlung auf dieser Erklärung bestehen. In ihr wird schriftlich festgehalten, welche Materialien für Kronen, Brücken oder Implantate verwendet wurden. Das ist auch wichtig, falls es zu Allergien kommen sollte.

Deutsche Zahnärzte stellen das Können ihrer ausländischen Kollegen häufig in Frage, aussagekräftige Studien gibt es aber nicht dazu. Die Verbraucherzentralen gehen davon aus, dass die Qualität durchaus vergleichbar ist.

Autorin: Christine Buth

Stand: 19.11.2018, 09:16

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