Die Waffen der Tierwelt

Ein Sibirischer Tiger zeigt sein Raubtiergebiss

Gift als Waffe

Die Waffen der Tierwelt

Von Susanne Wagner

Ob Reißzähne, Netzfallen oder Giftcocktail – das Waffenarsenal der Tierwelt ist reich bestückt. Schließlich gehört das Wettrüsten zu den überlebenswichtigen Maßnahmen der Evolution. Es gilt: Der Stärkere oder die raffinierteste Waffe gewinnt. So hat jede Tierart ihre eigenen Waffen auf Lager. Während viele Insekten sich mit giftigen Stacheln, Haaren oder Borsten zur Wehr setzen, stellen andere mit giftigen Zähnen und Klauen ihrer Beute nach.

Reißzähne und messerscharfe Krallen

Säugetiere zählen, bis auf wenige Ausnahmen, nicht zu den Giftmischern. Messerscharfe Krallen und ein kräftiges Gebiss sind die Waffen, mit denen Raubtiere wie etwa Löwen, Tiger oder auch Bären und Wölfe auf Beutejagd gehen.

Die meisten Räuber ergreifen ihre Beute im Sprung oder aus dem Laufen heraus mit Hilfe ihrer starken Pranken und ihren spitzen Zähnen.

Das typische Raubtiergebiss besteht aus dolchförmigen Eckzähnen, die als Fangzähne dienen. Mit ihnen packen sie die Beute, bis sie erstickt oder verblutet ist. Die Reißzähne bilden ein Art Brechschere, mit der sie kräftige Knochen zerkleinern.

Aber auch mit ihren Pranken können Bären und einige Raubkatzen tödliche Hiebe austeilen.

Hörner und Geweih

Doch auch die Pflanzenfresser wie Hirsche oder Elche sind gut ausgerüstet. Ihre Geweihe setzen die männlichen Tiere als Turnierwaffen im Rivalenkampf gegeneinander ein. Das Geweih besteht aus Knochen, die jedes Jahr einmal abgeworfen und später neu ausgebildet werden.

Neben diesen zur Schau getragenen Knochenwaffen bildet Horn ein gutes Material, um sich damit zu verteidigen. Dieser Stoff ist überaus hart und strapazierfähig. Auch das Allzweckwerkzeug der Vögel besteht aus Horn: Mit ihren robusten, spitzen Schnäbeln hacken sie nach Feinden, picken aber auch nach potenziellen Opfern.

Keine Schnäbel, aber umso kräftigere Kiefer besitzen viele Insektenarten. Mit ihren langen Kauwerkzeugen können sie sich hervorragend verteidigen, Beute greifen und zerkleinern.

Giftige Säugetiere

Nur wenige Säugetiere benutzen Gift, um sich zu wehren oder um ihre Beute zu überwältigen. Zu den kleineren zählen einige amerikanische Kurzschwanzspitzmaus-Arten. Sie setzen Gift ein, das sie in ihren Speicheldrüsen haben. Die Giftdrüsen der Wasserspitzmaus liegen hinter der Zunge. Sie ist das einzige giftige Säugetier in Europa.

Das männliche Schnabeltier trägt seine giftigen Hornstachel an den Hinterbeinen. Wozu das Tier damit ausgestattet wird, ist bisher noch unklar. Sicher ist aber: Trifft das Gift einen Menschen, kann dies für lange andauernde Schmerzen sorgen. Über Gift verfügt das Schnabeltier übrigens nur während der Paarungszeit.

Für Menschen nicht gefährlich, dafür aber äußerst unangenehm vom Geruch ist das Sekret, das Skunks auf ihre Angreifer sprühen.

Besonders effektiv setzen die südostasiatischen Plumploris ihr Gift ein, das sie in Drüsen an den Ellbogen bilden. Die kleinen Äffchen tragen das Gift auf ihre Zähne auf, was ihren Biss giftig macht. Außerdem verteilen sie mit der Zunge das Gift auf ihrem Fell und verleihen so ihren Jungen und sich selbst einen Ganzkörperschutz.

Stinktier mit schwarz-weißem Fell auf grüner Wiese mit Löwenmäulchen

Das Sekret des Stinktiers ist nicht giftig, aber sehr übelriechend

Gefährliche Stachel

Allseits bewährte Universalwaffe vieler Tiere ist der Stachel. Mit diesem nadelförmigen Gebilde sind etwa Igel und Stachelschweine sowie viele Insekten ausgerüstet.

Während Honigbienen sich von Blütenpollen und -nektar ernähren und ihren Stachel nur zur Verteidigung einsetzen, füttern Wespen ihre Jungen mit fleischlicher Kost und nutzen ihre stechende Waffe auch zum Beutefang.

Manche Skorpione haben sehr dicke, kräftige Stachel, mit denen sie Kleidung und sogar Schuhe durchstechen können. Vor allem im Lebensraum Wasser ist die stachelige Rüstung beliebt und auch mit vielen Variationen vertreten.

Skorpion in der Wüste

Skorpione setzen ihre Giftstachel zur Verteidigung ein

So verfügen die meisten Stachelhäuter – wie der Name schon sagt – über spitze bewegliche Hautstacheln oder scharfkantige Dornenkronen wie etwa Seesterne oder Seeigel.

Ebenso zählen Stachelrochen und Steinfische zu den von Badeurlaubern gefürchteten Meeresbewohnern. Zwar wehren sich nicht alle Tiere, die über Stacheln verfügen, mit Gift, doch auch schon die bloße Verletzung durch den Stachel kann zu Entzündungen führen.

Klauen und Borsten

Einige Insekten und andere Gliederfüßer verfügen über krallenähnliche Klauen. Meistens kommen sie beim Graben oder Klettern zum Einsatz, manchmal dienen sie aber auch zur Selbstverteidigung und zum Beutefang, wie bei der Gottesanbeterin.

Spinnen wehren sich mit Giften, die sie über ihre Klauen absondern. Viele wirbellose Tiere mit weichem Körper haben zum Schutz vor den Zähnen und kräftigen Schnäbeln ihrer Feinde Haare und Borsten entwickelt. Kleine Widerhaken an den Haaren bleiben im Mund oder in der Zunge des Angreifers stecken und durchdringen sogar die Haut.

So können beispielsweise die Gifthaare vieler Raupen auch beim Menschen zu Hautreizungen und Allergien führen.

Zu einer wahren Plage und zu einer Gefahr besonders für Allergiker hat sich in Deutschland seit einigen Jahren der Eichenprozessionsspinner entwickelt. Die Raupen des aus der Mittelmeerregion eingewanderten Falters haben in ihren Härchen das Nesselgift Thaumetopoein. Wer mit den Härchen in Kontakt kommt, kann unter Ekzemen auf der Haut, Hornhautentzündungen am Auge oder unter Entzündungen der Atemwege leiden.

Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) Raupe

In den Härchen des Eichenprozessionsspinners sitzt ein Nesselgift

Stand: 22.07.2019, 14:55

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