Jugend in der DDR
Die Kindheit
Jugendliche in der DDR hatten im Vergleich zur BRD relativ junge Eltern. 18jährige Mütter waren keine Ausnahme. Wer heiratete und Kinder hatte, bekam schneller eine eigene Wohnung. Singles mussten dagegen lange bei Mutti wohnen bleiben. Eine Familie zu gründen war daher der einfachste Weg von zu Hause auszuziehen. War es im Westen normal, die Kinder erst mit drei Jahren in den Kindergarten zu schicken, wurden im Osten die Kleinen bereits mit wenigen Monaten in der Kinderkrippe betreut. Die Mütter waren in der Regel berufstätig. Danach kam der Kindergarten und mit sechs Jahren begann die Grundschule. Die meisten Kinder wurden im ersten Schuljahr Jungpioniere. Sie bekamen ein blaues Halstuch und das Pionierkäppi. Einmal pro Woche war Pioniernachmittag. Da wurde gebastelt oder auch schon mal ein Fahnenappell geübt. Anders als im Westen gingen die meisten Schüler nach der Schule nicht nach Hause, sondern in den Hort. Die Ganztagsbetreuung für Schüler war in der DDR üblich.
Die Schulzeit
In der DDR gab es keine verschiedenen Schulformen, sondern alle gingen von der 1. bis zur 10. Klasse in die Polytechnische Oberschule (POS). Es bestand allerdings die Möglichkeit nach der 8. Klasse abzugehen. Mit 14 Jahren feierten die meisten DDR-Teenies die Jugendweihe. Die Jugendweihe wurde als Ersatz für kirchliche Feiern wie Kommunion und Konfirmation eingeführt. Dafür zog man schicke Klamotten an und bekam eine Urkunde überreicht. Anders als im Westen mussten sich Jugendliche in der DDR recht früh überlegen, was sie einmal beruflich machen wollen. Nur etwa 10 Prozent eines Jahrgangs durften Abitur machen. Die Auswahl fand nach bestimmten Kriterien statt. Die schulischen Leistungen waren natürlich wichtig, aber es wurde auch nach Herkunft entschieden. Dafür gab es im Klassenbuch drei Fächer. "Intelligenz", "Arbeiter" und "Bauern". Ein Schüler mit Arbeitereltern hatte gegenüber einem Kind, dessen Eltern ebenfalls schon studiert hatten, gute Chancen bevorzugt zu werden. Wer kein Abitur an der Erweiterten Oberschule (EOS) machen durfte, der erlernte sofort einen Beruf. Auch da war die Wahlmöglichkeit eingeschränkt. Wer eine Facharbeiterausbildung machte, konnte sich - sozusagen auf dem zweiten Bildungsweg - weiterbilden und nachträglich Abitur machen.
Jugendkult und Jugendkultur
Jede Generation hat ihre Idole, ihre Musik und ihre Trends. DDR-Bürger, die beim Fall der Mauer um die 20 waren, hörten das Jugendradio DT 64. Da hing man vor dem Radio mit dem Finger auf der Aufnahme-Taste des Kassettengeräts und schnitt die Musik mit. Besonders angesagt war die Sendung "Duett - Musik für den Recorder", in der jeweils eine Seite von zwei neuen LPs gespielt wurde. An Bands hörte man "Silly", "City", Liedermacher wie Gerhard Schöne oder "halb-legale" Gruppen wie "Die Anderen" und "Sando". Aber auch die amerikanische Band "Supertramp" hatte eine solide Fangemeinde im Osten. Auf dem Land gab es kaum Clubs und Discos. Deswegen traf man sich dort abends gern mal an der Tankstelle.
Die Kleinen fuhren in den Ferien ins Pionierlager, liebten das Kinderbuch "Alfons Zitterbacke" sowie die Comics von den "Digedags" und hassten gestrickte Schlaghosen. Die Großen machten Ferien auf dem Campingplatz in Ungarn, trugen Jeans und - wenn sie welche ergatterten - Turnschuhe aus dem Westen. In der DDR waren die Jugendkulturen anders ausgeprägt als in der BRD. Es gab nur wenige Popper, Ökos oder Skins. Die sanften Rebellen standen der Kirche nahe, die radikalen wurden Punk.
Andrea Oster, Stand vom 01.06.2009
Sendung: Geschichte der DDR - Der Arbeiter- und Bauernstaat, 04.03.2009






