Junge Pioniere und Freie Deutsche Jugend
Der "neue Mensch"
Die Jungen Pioniere übten den Fahnenappell und versprachen nur Gutes für ihr Heimatland zu tun. Die Kleinen mit ihrem Käppi und ihren blauen Halstüchern sollten zu einem ganz neuen Typus von Staatsbürger werden. Der sah nach Vorstellung der SED, der Sozialistischen Einheitspartei der DDR, so aus: sozialistisch, patriotisch, fleißig, diszipliniert und immun gegen die Verlockungen des Kapitalismus. Die Erziehung sollte nicht nur in der Familie, sondern auch in der Schule und der Gesellschaft stattfinden. Die Jugendorganisationen Junge Pioniere und FDJ spielten dabei eine wichtige Rolle.
Alle müssen mitmachen - die Jungen Pioniere
"Ich verspreche ein guter Jungpionier zu sein. Ich will nach den Geboten der Jungpioniere handeln". So stand es im Ausweis eine Jungpioniers. Jungpionier wurde man mit sechs Jahren. Es gab eine feierliche Zeremonie, bei der man das blaue Tuch umgelegt bekam. Sie fand meistens in der Schule statt. Ab der vierten Klasse wurde aus dem blauen ein rotes Tuch und aus dem Jungpionier ein Ernst Thälmann Pionier. In den 80er Jahren waren 99 Prozent aller Schulkinder Mitglied der Organisation. Ausgenommen waren lediglich die Kinder, deren Eltern in der Kirche arbeiteten.
Als Pionier hatte man eine Reihe von Aufgaben. Man half den Omis aus der Straßenbahn, holte für andere Kohlen aus dem Keller, lernte die Geschichte der SED auswendig und sammelte für die Kinder in Vietnam. Aber das Leben bei den Pionieren bestand nicht nur aus Pflichten. Der Staat machte viel Geld locker, um Pionierhäuser und -anlagen zu bauen. Die Jugend sollte das Gefühl haben, dass der Staat sie ernst nimmt. In den Freizeiteinrichtungen und an den Pioniernachmittagen wurde gebastelt, gespielt und Sport getrieben - eben alles, was Kindern Spaß macht.
Die Pionierorganisation wurde 1948 gegründet. Sie war eine Art Unterorganisation der FDJ (Freie Deutsche Jugend) für die Sechs- bis 14-Jährigen. Am Anfang arbeitete die Organisation noch mit kirchlichen Jugendgruppen zusammen; ab 1949 wurden die Pioniere dann stärker politisiert. Pioniere, die sich hervortaten, durften zu Parteitagen und größeren Veranstaltungen fahren. Sie waren das junge Aushängeschild des Sozialistischen Bauern- und Arbeiterstaates.
Die Jugendweihe
Das Politbüro der SED beschloss 1954 die Einführung der Jugendweihe. Sie sollte Ersatzritual für kirchliche Feiern wie Kommunion und Konfirmation sein. Den Kirchen sollte damit auch gleichzeitig die Möglichkeit genommen werden, Jugendliche durch diese feierliche Zeremonie für sich zu gewinnen. 1955 fanden die ersten Weihen statt. Die Jugendlichen ab der achten Klasse wurden damit in den Kreis der Erwachsenen aufgenommen. Oder politisch ausgedrückt: sie waren nun Teil der großen Gemeinschaft des werktätigen Volkes. Schon Wochen vor dem eigentlich Termin bereiteten sich die Teilnehmer darauf vor. In der Regel gab es einen speziellen Unterricht, in dem die Geschichte der Arbeiterbewegung und die Entwicklung des sozialistischen Gesellschaftssystems erläutert wurde. Zur Feier selbst gehörte ein Festprogramm mit Musik, einer Ansprache, der Überreichung einer Urkunde sowie dem Gelöbnis. Die Jugendlichen gelobten, sich für die Sache des Sozialismus einzusetzen, den Bruderbund mit der Sowjetunion zu vertiefen, im Geiste des proletarischen Internationalismus zu kämpfen, den Frieden zu schützen und den Sozialismus gegen jeden imperialistischen Angriff zu verteidigen.
Die Freie Deutsche Jugend (FDJ)
Mit 14 Jahren wurde man in der DDR Mitglied der FDJ. Viele traten gleich nach der Jugendweihe in die Jugendorganisation ein. Man bekam einen Ausweis, zahlte Beiträge und trug fortan das blaue Hemd mit dem FDJ-Abzeichen. Die FDJ wurde schon 1946 - gleich nach dem 2. Weltkrieg - gegründet. In ihrem Gründungsstatut steht: Die FDJ ist eine einheitliche sozialistische Massenorganisation der Jugend der DDR, die in ihren Reihen auf freiwilliger Grundlage junge Menschen vereint. Mit der Freiwilligkeit war das allerdings so eine Sache. Die Mitgliedschaft in der FDJ war Voraussetzung für eine Karriere in der DDR - sowohl politisch als auch beruflich. Wer sich später für die Oberschule und damit fürs Abitur bewerben wollte oder auf einen Studienplatz hoffte, dem half eine gute Beurteilung aus seiner FDJ-Zeit. Da war es gut, wenn man als FDJler in einer Jugendbrigade oder einem Jugendprojekt Einsatz gezeigt hatte, zum Beispiel beim Ernteeinsatz.
Der erste Vorsitzende der FDJ war von 1946 bis 1955 Erich Honecker. Er machte in der Tat später politische Karriere als Generalsekretär der SED und Staatsratsvorsitzender. Die FDJ war vom Staat mit einem üppigen Etat ausgestattet und hatte Klub - und Kulturhäuser, ein Reisebüro namens "Jugendtourist" und einen Verlag, in dem alle Kinder und Jugendzeitschriften der DDR erschienen. Außerdem veranstaltete die FDJ die meisten Discos und Freizeitveranstaltungen. Die Organisation war außerdem für die sozialistische Wehrerziehung von Kindern und Jugendlichen zuständig. Ältere Schüler und Studenten erhielten eine vormilitärische Ausbildung.
Andrea Oster, Stand vom 01.06.2009







