Ursachen des zweiten Weltkriegs
Der verlorene Erste Weltkrieg
Der Ausgang des Ersten Weltkrieges war lange Zeit ungewiss. Abertausende deutsche und französische Soldaten verloren auf den Schlachtfeldern in Flandern und im Elsass ihr Leben, ohne dass es zu einer wirklichen Entscheidung gekommen wäre. Erst nach den Niederlagen im August und September 1918 zog die Oberste Heeresleitung das Heer ins Deutsche Reich zurück, um die Soldaten vor einer Kriegsgefangenschaft zu bewahren. Die Schuld für die Beendigung des Krieges wälzte die Generalität, allen voran Hindenburg und Ludendorff, auf die Zivilpolitiker ab. Diese militärische Verschwörungstheorie, die als Dolchstoßlegende in die Geschichtsbücher eingegangen ist, fand großen Anklang.
Die Mehrheit des Volkes akzeptierte die Niederlage nicht, denn lange Zeit waren die Soldaten, so glaubte man damals, "unbesiegt im Felde gestanden“. Der verlorene Krieg belastete die junge Republik sehr. Es gab unzählige Unruhen und Aufstände in Deutschland. Eine Revolution brach über Deutschland herein. Der Kaiser dankte ab, die Monarchie hatte ausgedient. Am 9. November rief Philipp Scheidemann die Demokratie aus.1919 wählte die Nationalversammlung Friedrich Ebert zum Reichspräsidenten, gestützt auf die Parteien der "Weimarer Koalition“, SPD, Zentrum und DDP, die bereits 1920 ihre Mehrheit verlieren sollte.
Der Versailler Friedensvertrag
Die junge Weimarer Republik hatte nicht nur mit den politisch chaotischen Verhältnissen zu ringen, die größte Bürde des jungen Staates sollte der Versailler Friedensvertrag werden. Am 28. Juni 1919 unterzeichneten der deutsche Außenminister Hermann Müller und der Verkehrsminister Johannes Bell im Spiegelsaal des Versailler Schlosses den Friedensvertrag. Die Regierungsvertreter mussten die alleinige Kriegsschuld und Reparationszahlungen in Milliardenhöhe akzeptieren. Die Friedensbedingungen sahen zudem eine auf 15 Jahre befristete Besetzung des linken Rheinufers vor, die Reichswehr wurde auf 100.000 Berufssoldaten beschränkt und das Deutsche Reich musste ein Siebtel seines Territoriums abtreten: Elsass-Lothringen fiel im Westen an Frankreich; Posen und Westpreußen gingen an Polen; das Hultschiner Ländchen im Südosten kam zur Tschechoslowakei; das Memelgebiet wurde den Entente-Mächten unterstellt; Eupen-Malmedy im Westen fiel an Belgien, und Nordschleswig wurde zwischen Deutschland und Dänemark aufgeteilt. Die Mehrheit der Deutschen, unabhängig von ihrer politischen Zugehörigkeit, war empört, als die Friedensbedingungen bekannt wurden. Auf deutscher Seite sprach man von einem Schandfrieden, vom "Versailler Diktat“. Die Schmach von Versailles sollte noch lange die Gemüter erhitzen und den Revanchegedanken über Jahre lebendig halten.
Startschwierigkeiten der jungen Demokratie
Der "erzwungene Friede" von Versailles, die Kriegsschuldfrage und die geforderten Reparationszahlungen radikalisierten die Menschen, links wie rechts. Die Menschen bewaffneten sich und gingen auf die Straße. Heimkehrende Soldaten mit überwiegend rechtskonservativem Gedankengut formierten sich in Freikorps. Es kam zu Putschversuchen von rechts sowie zu kommunistischen Aufständen. Tausende Opfer waren zu beklagen. In den ersten vier Jahren von Weimar herrschte quasi Bürgerkrieg. Die Menschen organisierten sich in radikalen Splitterparteien, die die Substanz der Demokratie gefährdeten. Eine der rechtsradikalen Parteien war die NSDAP (Nationalsozialistische Partei Deutschlands). So sehr zu Beginn der Weimarer Republik die Gewaltexzesse das Leben der Menschen beeinträchtigten, so verheerend waren auch die Folgen der Inflation von 1923. Die Geldentwertung raubte quasi über Nacht die Sparguthaben der Menschen. Mit der Inflation von 1923 zahlte das Volk die Rechnung für den Ersten Weltkrieg.
Die Weltwirtschaftskrise von 1929
Eine Verschnaufpause erlebte die Weimarer Republik in den sogenannten "Goldenen Zwanzigern". Außenminister Gustav Stresemann band die junge Republik wieder international ein. Die Verträge über die Reparationszahlungen wurden neu verhandelt und Deutschland wurde Mitglied des Völkerbundes. Der wirtschaftliche Aufschwung machte sich vor allem in der Metropole Berlin bemerkbar. Die Menschen vergnügten sich wieder. Die Frau mit dem Bubikopf wurde das Symbol der "Swinging Twenties". Doch der neue Wohlstand stand auf tönernen Füßen. Die Weltwirtschaftskrise von 1929/30, ausgelöst durch den Börsencrash in New York, riss das Land in den Abgrund. Dringend benötigtes Kapital aus den USA blieb aus, die Industrieproduktion sank um 40 Prozent. Die Arbeitslosigkeit stieg auf sechs Millionen Menschen. Viele Menschen wurden obdachlos und mussten hungern oder waren so verzweifelt, dass sie den Freitod wählten. Von dem wirtschaftlichen Chaos und der Not der Menschen profitierten die radikalen Parteien, die Kommunisten und die NSDAP.
Der Aufstieg Hitlers
Aus Angst vor dem sozialen Abstieg flüchteten sich besonders Klein- und Gutbürgerliche in die Arme der Nazis. Hitler taktierte politisch klug. Er verband die soziale Frage, also die wirtschaftlichen Probleme der Zeit, mit der nationalen Frage, indem er den Revanchegedanken für den verlorenen Ersten Weltkrieg immer weiter schürte. Hinzu kam, dass das Volk den Mitteparteien der Weimarer Republik, also SPD, Zentrum und DDP, die instabile politische Situation anlastete. Der Aufstieg der NSDAP war rasant: In nur vier Jahren ab 1928 stiegen die Wählerstimmen von 2,6 Prozent auf 37,3 Prozent. An Hitler und seiner Partei kam das politische System nicht mehr vorbei.
Für konservative und bürgerliche Kreise war auch zwölf Jahre nach der Niederlage des Ersten Weltkrieges der erzwungene Versailler Friedensvertrag ein absolutes Trauma. Hinzu kam, dass weite Teile der Bevölkerung, Intellektuelle, Menschen aus der Landwirtschaft, der Industrie und dem Militär, die Demokratie ablehnten. Rechtskonservative, Großgrundbesitzer und Großindustrielle hingen einem autoritären, parlamentsunabhängigen System an. Ihre politischen Vertreter Reichspräsident Hindenburg und Reichskanzler von Papen glaubten 1932 Hitler für ihre Ziele einbinden zu können. Ein fataler Irrtum. Zu Hitlers Steigbügelhalter auf dem Weg zur Macht wurde letztlich Paul von Hindenburg. Seiner alleinigen Verantwortung als Reichspräsident oblag es, Hitler zum Reichskanzler zu nennen. Ohne sein Zutun hätte Hitler nicht auf demokratischem Wege die politische Schlüsselposition der Weimarer Republik erlangt. Denn kaum stand Hitler als Reichskanzler der Regierung vor, zielte seine gesamte Politik auf den Beginn eines neuen Kriegs.
Sabine Kaufmann, Stand vom 09.09.2009
Sendung: Von der Weimarer Republik zum Zweiten Weltkrieg, 09.09.2009









