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Deutsche Arbeiterbewegung im 19. Jahrhundert

Die Entwicklung der Wirtschaft verlief im Europa des 19. Jahrhunderts rasant. Im Zuge der Industrialisierung entstand eine Klassengesellschaft, in der die Unterschiede zwischen Arm und Reich immer größer wurden. Vor diesem Hintergrund entstand die Arbeiterbewegung. An ihrer Spitze setzten sich Visionäre wie Karl Marx oder Friedrich Engels für eine Sozialisierung der Arbeitswelt und einen Umbruch der Gesellschaft ein.

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Vom Wiener Kongress zur Revolution

1815 waren die Napoleonischen Kriege zu Ende. Durch den Wiener Kongress wurden die Grenzen in Europa neu gezogen. Nach langen Jahren der Kämpfe, des Sterbens und des Zerstörens herrschte nun trügerischer Frieden. Die Menschen konnten sich wieder auf das normale Leben konzentrieren.

James Watt, Erfinder der Dampfmaschine, Farbdruck. (Rechte: AKG)

James Watt läutete mit seiner Erfindung die Industrialisierung ein

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Die Erfindung der Dampfmaschine durch den Engländer James Watt (1736-1819) und deren Weiterentwicklung und Nutzung in allen nur erdenklichen Industriebereichen, brachte wirtschaftlichen Aufschwung und läutete das Zeitalter der Industrialisierung ein. Fabriken entstanden, die Wirtschaft florierte und die Massenfertigung von Gütern begann. Von Dampfmaschinen betriebene Schiffe machten den Transport einfacher und schneller. Zudem wurde 1825 in England und 1835 in Deutschland, zwischen Nürnberg und Fürth, die erste dampfbetriebene Eisenbahn in Betrieb genommen. Die Welt der Wirtschaft hatte sich damit schlagartig verändert. Gleichzeitig aber auch die Rolle der Arbeiter. In den großen Betrieben wurden sie zu Handlangern der neuen Maschinen, mussten sich ihrem Takt anpassen.

Stich einer riesigen Fabrikhalle im 19. Jahrhundert. In einer langen Doppelreihe sieht man gut 50 Kinder und Jugendliche dicht an dicht an Werkbänken sitzen. In der Mitte der Halle und an den Seiten viele dampfbetriebene Schwungräder. (Rechte: Deutsche Arbeitsschutzausstellung Dortmund)

In Fabriken arbeiteten oft auch Kinder

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Unterdrückung und Ausbeutung

Mehr Schweiß für weniger Geld. Das war das Schicksal vieler Menschen damals. Und Knochenjobs gab es genug. Die neuen Maschinen wollten mit Rohstoffen und mit Energie gefüttert werden. Die Arbeitsbedingungen waren hart, beeinträchtigten die Gesundheit. Kinder wurden in die Bergwerke geschickt, um Kohle oder Erz zu fördern.
Die Unterdrückung und Ausbeutung der Menschen führte zu einer Verarmung und Verelendung der neu entstandenen Arbeiterklasse. Unmut und Unruhen waren dadurch vorhersehbar. 1844 kam es in Schlesien zu den Weberaufständen. Dort lehnten sich die Hunger leidenden Menschen gegen ihre Arbeitgeber auf. Die Revolte wurde vom Militär im Keim erstickt. Der Schriftsteller Gerhart Hauptmann thematisierte die Ereignisse eindrucksvoll in dem Drama "Die Weber".
1846 und 1847 war es darüber hinaus in Deutschland zu Missernten und zu Hungersnöten gekommen. Zehn Prozent der Berliner Bevölkerung bestand aus Almosenempfängern. Die große Not und die große Unzufriedenheit mündeten schließlich in die Revolution von 1848.

Stich einer Barrikade aus Steinen und Pferdewagen in einer Berliner Straße. Preußische Soldaten gehen schießend und mit aufgepflanztem Bajonett gegen die Aufständischen vor. Man sieht Tote und Verletzte auf beiden Seiten. (Rechte: dpa)

Barrikadenkämpfe im Revolutionsjahr 1848

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Revolution, Reformen und politische Resultate

Die sozialen Missstände in Deutschland, die Armut unter den Arbeitern, aber auch ein neuer freiheitlicher Gedanke, der seit Ende der Napoleonischen Kriege vor allem die Studenten erfasst hatte, führten zur Revolution des Jahres 1848. Aus dem benachbarten Frankreich war der Funke hinüber nach Deutschland gesprungen, hatte zunächst das badische Mannheim, später dann Berlin und andere Städte und Länder erfasst. Die Bürger richteten sich mit freiheitlichen Forderungen und Petitionen an die Landesherren und Regierungen. Es kam aber auch zu blutigen Auseinandersetzungen und Barrikadenkämpfen. Dabei wurden im März 1848 in Berlin 240 Menschen durch das preußische Militär getötet. König Friedrich Wilhelm IV. war von diesem Gemetzel so entsetzt, dass er seine Truppen zurückbeorderte und auch die Revolutionäre zum Einlenken aufforderte. Wenige Tage nach diesem Waffenstillstand wurden in Preußen allgemeine Wahlen ausgerufen, aus denen eine Nationalversammlung hervorging.

Das riesige Karl-Marx-Denkmal im Zentrum der Stadt Chemnitz. Mit seinem 40 Tonnen schweren Bronzekopf ist es das angeblich größte Karl-Marx-Denkmal der Welt. (Rechte: dpa)

Karl Marx: Vordenker der Arbeiterbewegung

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Vordenker der Arbeiterbewegung

Am 11. April 1848 trat in Berlin eine Arbeiterversammlung zusammen. Man gründete das "Central-Komité" für Arbeiter. In regelmäßigen Versammlungen seien "die Übelstände der Arbeiter ... zu erforschen und auf Abhülfe derselben hinzuwirken". Das Hauptanliegen der Arbeiterschaft war es, mehr Lohn und eine Verkürzung der Arbeitszeit durchzusetzen. Karl Marx und Friedrich Engels gaben mit ihrem gemeinsam verfassten "Kommunistischen Manifest" das intellektuell formulierte Dogma vor. Die Arbeiterklasse werde durch das Bürgertum unterdrückt und ausgenutzt. Also müsse die Bourgeoisie durch das Proletariat entmachtet und abgelöst werden, so die Meinung von Marx und Engels.

Ferdinand Lassalle und Stephan Born waren zwei andere Vordenker der Arbeitbewegung, deren Vorstellungen in die gleiche Richtung gingen. Born war auch Herausgeber von "Das Volk", einer "Sozial-politischen Zeitschrift", wie sich das "Organ des Central-Komités für Arbeiter" nannte. Darin verbreitete Stephan Born seine Forderungen nach "Ausgleichung der Missverhältnisse zwischen Arm und Reich" oder der nationalen "Organisation der Arbeiter". Ferdinand Lassalle wurde 1863 in Leipzig zum Präsidenten des neu gegründeten "Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein" (ADAV) gewählt, einem wichtigen Organ der Arbeiterbewegung und von manchen auch als Keimzelle der Sozialdemokratie bezeichnet. Auf der Fahne des ADAV stand zu lesen "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" und "Einigkeit macht stark". In Folge dieser Entwicklung kam es dann auch 1868 zur Gründung von zentralen Gewerkschaften, die sich zu den wichtigsten Interessenverbänden für die Arbeiter entwickelten.

Alfried Schmitz, Stand vom 28.12.2010

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