Hilfsangebote, die pflegende Angehörige kennen sollten

Hilfen bei der Pflege von Angehörigen Planet Wissen 31.03.2020 04:05 Min. Verfügbar bis 31.03.2025 SWR

Pflege

Hilfsangebote, die pflegende Angehörige kennen sollten

Von Angelika Wörthmüller

Pflegestützpunkte sind gute erste Anlaufstellen für pflegende Angehörige. Sie beraten zum Beispiel zu Tagespflege, Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege, kennen sich aber auch mit anderen Entlastungsangeboten für pflegende Angehörige aus.

Erste Anlaufstelle: Pflegestützpunkte

Es gibt verschiedene Hilfsangebote für pflegende Angehörige. Über ganz Deutschland verteilt ist ein Netz von Pflegestützpunkten. Dort stehen Berater zur Verfügung, die helfen, das passende Entlastungsangebot zu finden. Bislang werden diese aber wenig genutzt. Pflegende Angehörige haben oft den Anspruch, alles selbst zu schaffen und eine optimale Situation herzustellen. Sie vergessen dabei häufig, dass die eigenen Kraftreserven endlich sind.

Hilfe bei der Suche nach einem Pflegestützpunkt bietet das Zentrum Qualität in der Pflege (ZQP). Die gemeinnützige Stiftung hat auf ihrer Website ZQP.de eine bundesweite Datenbank zusammengestellt: Wer eine Postleitzahl eingibt, bekommt Pflegestützpunkte und Beratungsstellen in der Nähe angezeigt. Auch Adressen von Beratungsstellen zu Gewalt in der Pflege finden sich beim ZQP.

Pflegestützpunkte beraten auch zu Sozialleistungen

Pflegestützpunkte beraten kostenlos zur Organisation der häuslichen Pflege, zu Umbaumaßnahmen in der Wohnung und Fragen der Finanzierung. Sie helfen außerdem beim Beantragen von Pflegestufen und anderen Sozialleistungen. Auch wenn Angehörige sich für eine Heimunterbringung entscheiden, finden sie dort Unterstützung bei der Suche nach dem richtigen Heim.

In einigen Kommunen gibt es zudem Senioren- oder Pflegeberatungsstellen. Auch die Verbraucherzentralen und die Wohlfahrtsverbände informieren zum Thema Pflege.

Pflege zu Hause: Psychologische Unterstützung hilft Planet Wissen 31.03.2020 02:49 Min. Verfügbar bis 31.03.2025 SWR

Angebote zur Entlastung pflegender Angehöriger – eine Übersicht

Tagespflege

Eines der wichtigsten Instrumente zur Entlastung pflegender Angehöriger ist die Tagespflege. Ein Fahrdienst kommt am Morgen, holt die Pflegebedürftigen ab und bringt sie in eine Tagespflegestelle. Bis zum Nachmittag gibt es dort Betreuung, Förderung, Verpflegung und die Einbindung in eine Gemeinschaft. Das Angebot richtet sich an Pflegebedürftige ab Pflegegrad 2 und kann täglich oder an einzelnen Tage pro Woche wahrgenommen werden. Als ambulante Pflegesachleistung kann die Finanzierung bei der Pflegeversicherung beantragt und zusätzlich zum Pflegegeld bezogen werden. Adressen von Tagespflegeeinrichtungen gibt es bei den Pflegestützpunkten.

Kurzzeitpflege

Wenn Angehörige selbst erkranken, können sie den Pflegebedürftigen vorübergehend in eine Pflegeeinrichtung geben. Die Übernahme der Kosten ist bei der Pflegeversicherung zu beantragen, wird aber erst ab Pflegestufe 2 gewährt. Kurzzeitpflege ist auch dann eine Möglichkeit, wenn Angehörige eine Auszeit brauchen und sich erholen wollen. Dann müssen sie die Kosten aber selbst tragen.

Verhinderungspflege

Restaurant, Theater, Kino, eine Fortbildung oder ein Urlaub – eine Ersatzkraft kann dann zu Hause bei der Pflege einspringen. Übernehmen Familienangehörige, Nachbarn oder Freunde diesen Dienst, können sie dafür eine finanzielle Entschädigung von der Pflegeversicherung bekommen – allerdings nur, wenn bereits Pflegegrad 2 vorliegt. Die Pflegeversicherung übernimmt bis zu 42 Tage im Jahr.

Reha für pflegende Angehörige Planet Wissen 31.03.2020 03:29 Min. Verfügbar bis 31.03.2025 SWR

Kuren

Einige Kliniken bieten spezielle Reha-Kuren für pflegende Angehörige an. Diese Kuren sind auf die Bedürfnisse der Pflegenden zugeschnitten. Sie bieten auch psychologische Unterstützung und den Erfahrungsaustausch mit anderen Betroffenen.

Selbsthilfegruppen

Erfahrungsaustausch mit anderen pflegenden Angehörigen kann sehr wertvolle Entlastung bieten. Endlich ist da ein Kreis, in dem es Verständnis für die eigenen Probleme gibt. Endlich lässt sich aussprechen, was einem auf der Seele liegt. Adressen von Gruppen finden sich beim Internetportal Nakos, einer bundesweiten Informations- und Vermittlungsstelle für Selbsthilfegruppen.

Hilfsangebote für pflegende Angehörige: Screenshot von pflegen-und-leben.de

Die psychologische Beratung bei pflegen-und-leben.de ist kostenlos

Psychologische Beratung

Das gemeinnützige Internetportal pflegen-und-leben.de bietet eine anonyme und kostenfreie Online-Beratung und einen Video-Chat für pflegende Angehörige an. Ein Team von Psychologen beantwortet Fragen zur seelischen Belastung durch den Pflegealltag. Pflegende Angehörige, die online ihre Fragen schicken, sollen innerhalb von vier Tagen eine Antwort bekommen. Auch Freunde und Nachbarn, die erkrankte oder hilfsbedürftige Menschen im häuslichen Umfeld versorgen, können sich an das Portal wenden. Das Portal pflegen-und-leben.de kooperiert mit mehreren gesetzlichen Krankenversicherungen und richtet sich daher ausschließlich an gesetzlich Versicherte.

Stand: 23.03.2020, 11:00

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