Pflegende Angehörige: Anzeichen für Überforderung ernst nehmen

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Pflege

Pflegende Angehörige: Anzeichen für Überforderung ernst nehmen

Von Angelika Wörthmüller

Erschöpfung, aber auch Aggressivität und psychische Gewalt können Symptome einer Überforderung von Pflegenden sein. Höchste Zeit, etwas zur Entlastung zu tun.

Pflegende Angehörige sind emotional und körperlich belastet

Zu Hause einen Familienangehörigen pflegen, Tag für Tag, Woche für Woche, das kann an die eigene Substanz gehen. Die meisten pflegenden Angehörigen hatten vorher keinerlei Erfahrung in der Pflege und fühlen sich entsprechend überfordert. Eigene Bedürfnisse stellen pflegende Angehörige häufig zurück.

Eine Befragung der Universität Witten/Herdecke, an der zwischen November 2018 und März 2019 rund 1400 pflegende Angehörige teilnahmen, ergab: Etwa die Hälfte leidet körperlich unter der Pflegearbeit und mehr als 70 Prozent der Befragten sind stark bis sehr stark emotional belastet.

Wer einen Angehörigen zu Hause pflegt, sollte am besten von Anfang an eine Strategie zur Entlastung entwickeln. Höchste Zeit dafür ist es, wenn sich bereits die ersten Symptome der Überforderung zeigen. Anzeichen für Überlastung können körperliche Symptome wie Erschöpfung, Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen sein.

Gewalt in der häuslichen Pflege Planet Wissen 31.03.2020 03:08 Min. Verfügbar bis 31.03.2025 SWR

Pflege zu Hause: Alarmzeichen für Überforderung

Oft zeigt sich die Überforderung aber auch in Aggressionen. Wenn Angehörige merken, dass ihnen der Pflegebedürftige buchstäblich auf die Nerven geht, wenn sie merken, dass sie die Geduld verlieren oder das Gefühl haben, alles nicht mehr auszuhalten, dann sind das erste Alarmzeichen.

Wird nicht rechtzeitig entgegengesteuert, dann kann aus Unmut irgendwann regelrechte Wut werden. Es kann der Wunsch entstehen, einfach rauszurennen, alles hinzuschmeißen und den Angehörigen seinem Schicksal zu überlassen.

Manchmal lassen sich die Aggressionen auch nicht mehr kontrollieren. Plötzlich rutscht die Hand aus, aus vorsichtigen werden grobe Bewegungen, oder der Pflegebedürftige wird geschubst.

Seelische Gewalt gegenüber Pflegebedürftigen passiert oft unbewusst

Auch psychische Gewalt kann die Folge von Überforderung sein. Die Bedürfnisse des Angehörigen werden nicht erfüllt, es kommt zu abfälligen Äußerungen, die ihn verletzen, er wird nicht wie sonst aus dem Bett geholt und in den Rollstuhl gesetzt, bekommt nicht den Tee, der ihm schmeckt, sondern einen, den er gar nicht mag.

Diese Art versteckter Aggressivität ist den pflegenden Angehörigen oft gar nicht bewusst. Sie ist aber ein Signal dafür, dass der eigene Akku leer ist und es dringend notwendig ist, sich um sich selbst zu kümmern.

SWR | Stand: 23.03.2020, 11:00

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