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Rennautos und Autorennen – geduckte Silhouetten tief über der Straße, kaum zu bändigende Motorenkraft, Geruch nach Öl und verbranntem Gummi, Faszination Geschwindigkeit und unkalkulierbare Risiken. Der Autorennsport mit seinen rasenden Maschinen fesselt die Menschen weltweit. Den Wettbewerb mit anderen Fahrern und deren Maschinen suchen Autofahrer fast schon so lange wie es Automobile gibt.

Mercedes-Benz - von Anfang an vorne dabei

Als Karl Benz und Gottlieb Daimler 1886 weitgehend unabhängig voneinander mit ersten Motorfahrzeugen experimentieren, ist nicht vorauszusehen, welche Entwicklung ihre Erfindungen machen werden. Von der wackeligen Benzinkutsche bis zum 850-PS-Boliden ist es noch ein weiter Weg.

Die Geschichte der schwäbischen Rennwagen beginnt mit dem ersten Autorennen überhaupt. Im Rennen 1894 von Paris nach Rouen sind die vier erstplazierten Automobile mit Panhard-Levassor-Motoren nach System Daimler ausgerüstet. Die Zweizylinder leisten 3,5 Pferdestärken (PS) und erreichen auf der 126 Kilometer langen Strecke eine Durchschnittsgeschwindigkeit von etwas mehr als 20 Kilometern pro Stunde.

1901 schafft ein von Wilhelm Maybach entwickelter Vierzylinder den Sieg bei der Nizza-Automobilwoche und geht als erster "Mercedes" in die Geschichte ein. Der Name ist von nun an aus den Siegerlisten der Grand-Prix- und anderer Autorennen nicht mehr wegzudenken.

Die Geburt der Silberpfeile

Endgültig zur Legende werden die Mercedes-Renner in den 1930er Jahren. 1934 gibt es eine neue Rennformel: Die Autos dürfen 750 Kilogramm Gesamtgewicht (ohne Sprit, Öl, Kühlmittel und Reifen) nicht überschreiten. Am 3. Juni 1934 soll der neue Rennwagen sein Debüt feiern, aber einen Tag vorher stellt man fest, dass der W 25 ein Kilo zu schwer ist. Der berühmte Rennleiter Alfred Neubauer entscheidet, dass noch in der Nacht der weiße Lack von den Autos heruntergekratzt werden soll. Das bringt das entscheidende Kilo und den Mercedes-Rennwagen später ihren neuen Spitznamen: "Silberpfeil", denn jetzt ist nur noch das nackte, silbrig glänzende Metall zu sehen.

Die Autos rasen von Sieg zu Sieg, ganz so wie von den neuen deutschen Machthabern unter Adolf Hitler gewünscht, die mit erheblichen Geldmitteln zur Entwicklung der Rennwagen beitragen und die Siege propagandistisch ausnutzen. Aber 1939, mit Beginn des Zweiten Weltkriegs, ist es erst einmal mit der Rennerei vorbei.

Die neue Generation der Silberpfeile, die nach dem Zweiten Weltkrieg auf die Rennstrecken der Welt kommt, beweist eindrucksvoll, dass man in Stuttgart nicht verlernt hat, wie Siegerwagen gebaut werden. Aber der schreckliche Unfall 1955 in Le Mans, bei dem ein Mercedes in die Zuschauer rast und dabei mehr als 80 Menschen in den Tod reißt, veranlasst die Unternehmensleitung zur Einstellung aller motorsportlichen Aktivitäten.

Rennfahrer Duke Nalon 1947 in seinem Mercedes-Benz W 154 beim Autorennen in Indianapolis

Duke Nalon in seinem Mercedes-Benz W 154

Erst Ende der 1980er Jahre fasst Mercedes wieder Fuß im internationalen Rennsport. Vor allem als Motorenlieferant des Sauber-Teams sammeln die Schwaben Erfahrungen im Hightech-Rennwagenbau. Schon 1989 gewinnt ein Sauber-Mercedes die 24 Stunden von Le Mans. Mit diesen Erfolgen im Rücken kehrt man 1995 auch ins Formel 1-Geschehen zurück. Mit dem Teampartner McLaren schafft man schon drei Jahre nach dem gemeinsamen Debüt den Gewinn der Fahrer- und Konstrukteurs-Weltmeisterschaft.

Auto Union - im Zeichen der vier Ringe

Neben Mercedes wird noch eine andere Marke als Hersteller von Silberpfeilen berühmt. 1932 fusionieren die deutschen Automobilunternehmen Audi, DKW, Horch und Wanderer zur Auto Union. Ihr Emblem sind die vier verbundenen Ringe. Auch die Auto Union wird vom nationalsozialistischen Regime mit erheblichen finanziellen Mitteln unterstützt. Entwickelt werden die Rennwagen von Ferdinand Porsche. Sein Design ist sensationell und greift der Entwicklung im Rennsport Jahrzehnte vor. Der Trick: Er montiert den Motor zwischen den beiden Achsen, was sich ganz entscheidend auf den Schwerpunkt des Fahrzeugs auswirkt. Außerdem kann das Getriebe nun direkt die Hinterräder antreiben. Auch der mächtige 16-Zylinder-Motor trägt zu den Erfolgen der Silberpfeile bei.

Bernd Rosemeyer am 23. August 1936 in seinem Auto-Union-Rennwagen auf der Berner Rundstrecke in der sogenannten Forsthauskurve.

Bernd Rosemeyer 1936 in seinem Auto-Union-Rennwagen

Nur die besten Rennfahrer können das Potenzial der Autos überhaupt bändigen. Unvergessen Bernd Rosemeyer, der 1936 und 1937 von einem Sieg zum anderen jagt. Er verunglückt 1938 bei einem Weltrekordversuch mit einem Auto-Union-Wagen tödlich.

Ferrari - die Roten aus Italien

Kaum ein Auto ist so zum Traum geworden wie die roten Renner aus Italien. Wer ein bisschen Benzin im Blut hat, wird sich nach jedem Ferrari umschauen und sofort ins Schwärmen kommen. Nur wenige Autofirmen haben es geschafft, bei ihren Fans so starke Emotionen hervorzurufen wie Ferrari. Bei den heutigen Formel 1-Rennen leuchten ganze Tribünen in Ferrari-Rot. In Maranello, der Heimatstadt der Rennwagen, läuten die Glocken, wenn ein Ferrari triumphiert, und der ganze Ort feiert ausgelassen.

Im November 1929 gründet Enzo Ferrari seine "Scuderia Ferrari" als Rennabteilung von Alfa Romeo. Sitz der Firma ist zunächst Modena. Zehn Jahre später verlässt der eigenwillige "Commendatore" Alfa Romeo und arbeitet, trotz vertraglichen Verbots, an zwei Acht-Zylinder-Sportwagen. Aber wegen des Zweiten Weltkriegs kommen die Wagen nur begrenzt zum Einsatz. 1943 verlegt Ferrari sein Werk nach Maranello und baut dort bis Kriegsende Schleifmaschinen. Erst 1946 wird in Maranello der erste Motor gebaut und das Unternehmen trägt nun offiziell den Namen Ferrari. Mit dem 125 S kommt nur ein Jahr später der erste Ferrari auf die Straße. Ab jetzt bauen die Monteure und Techniker in Maranello Rennwagen und auch Straßenwagen, die mit zu den leistungsstärksten ihrer Zeit gehören.

Ein Ferrari Formel 1-Rennwagen im klassischen Rot.

Ferrari Formel 1-Rennwagen F 2004

Seit 1950, dem Geburtsjahr der Formel 1, ist Ferrari mit dabei. Damit ist es auch das einzige Team, das von Anfang an an den spektakulären Rennen teilnimmt. Alberto Ascari, selbst eine Motorsportlegende, schafft auf Anhieb einen zweiten Platz beim Debüt in Monaco. Schon ein Jahr darauf holt ein "Roter" den ersten Sieg beim Grand Prix in Silverstone. Wiederum nur ein Jahr später fährt Ascari auf Ferrari zur Fahrerweltmeisterschaft. 1961 sichert sich Ferrari dann erstmals sowohl die Fahrer- als auch die Konstrukteurs-WM. In den 1970er Jahren glänzt Niki Lauda auf Ferrari, und von 1998 bis 2006 dominiert Michael Schumacher mit seinem Team aus Maranello die Formel 1 wie kein anderer vor ihm.

Lotus - geniale Autos von der Insel

Noch heute sitzen viele bekannte Rennwagenschmieden in England. McLaren, Williams, BAR oder Jaguar sind allen geläufig und stehen für die lange englische Rennsport-Tradition, aber kaum eine Marke war so erfolgreich und dabei so innovativ wie Lotus. 1952 von dem aus dem Flugzeugbau kommenden Colin Chapman gegründet, siegten die ursprünglich grünen, später in den Sponsorenfarben lackierten Renner in den 1960er und 1970er Jahren fast nach Belieben.

Immer wieder erregten die Lotus Aufsehen durch ihre neuartigen Technologien. Sei es die aktive Federung oder der wegen der Unfallgefahr später verbotene Bodeneffekt (ground effect), der durch aerodynamische Tricks das Auto geradezu auf den Boden klebte. Colin Chapman und seine Autos standen immer in der Pole-Position, wenn es um technische Neuerungen ging. Leider führten die schnell entwickelten und oft nicht ausreichend getesteten Fahrzeugelemente zu einer erheblichen "Fragilität" der Lotus. So wundert es nicht, dass einige berühmte Rennfahrer ihr Leben in diesen Konstruktionen verloren: Erinnert sei nur an Jochen Rindt oder Ronnie Peterson.

Jochen Rindt am 21.6.1970 in seinem Lotus 72-Rennwagen in Zandvoort

Jochen Rindt 1970 in seinem Lotus 72-Rennwagen

1982 erlag der Teamgründer Colin Chapman einem Herzanfall, und damit war die große Zeit der schnellen Autos von der Insel vorbei.

Autor/in: Rolf Stephan

Stand: 04.03.2015, 12:00

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