Formel 1

Graf Berghe von Trips 03:12 Min. Verfügbar bis 30.12.2099

Sport

Formel 1

Dramatische Unfälle und packende Duelle bei extremen Geschwindigkeiten: Die Formel 1 ist eine der spektakulärsten Rennklassen der Welt. Milliarden werden jedes Jahr investiert, um die hochgezüchteten Rennboliden über die Rundkurse zu jagen. Manche Rennen enden im Kiesbett, im Reifenstapel oder sogar manchmal tödlich. Doch wer am Ende einer langen und anstrengenden Saison den Weltmeistertitel einfährt, ist ein Held.

Zwischen Rennen und Regeln

300 Millionen Zuschauer halten heute weltweit den Atem an, wenn Formel-1-Fahrer innerhalb weniger Sekunden auf Maximaltempo beschleunigen und mit über 300 Kilometern pro Stunde auf die engen Kurven zurasen. Dabei hatte alles ganz gemächlich angefangen: Ende des 19. Jahrhunderts galt das Automobil als laut, stinkend - und wenig zuverlässig. Die Hersteller wollten bald beweisen, dass sich auch größere Strecken mit den qualmenden Kisten bewältigen ließen und veranstalteten sogenannte Ausdauerprüfungen, Fahrten, auf denen sie die Standfestigkeit ihrer Motoren demonstrieren wollten. Paris - Rouen etwa war eine der ersten Routen, auf denen die Automobilisten ihr Können erprobten.

Schnell wurden aus den Prüfungen Wettfahrten und bald gab es für Autorennen eigene Rundkurse: In den 1920er Jahren wurden Strecken wie der Nürburgring oder der Kurs von Le Mans gebaut. Aus den Grand Prix der 1920er Jahre und 1930er Jahre wurde nach dem Krieg die Formel 1, die Königsklasse des automobilen Rennsports. Der Name sollte Ausdruck für den Stellenwert der Rennen sein.

Definiert wurden die verschiedenen Rennklassen schon damals durch ein komplexes technisches Reglement. In den Anfangsjahren der Formel 1 war vor allem der Hubraum entscheidend für die Zugehörigkeit zur jeweiligen Rennklasse: Während in den Anfangsjahren der Formel 1 Rennwagen mit einem Hubraum von bis zu 4,5 Litern starten durften, waren die kleineren Formel-2-Motoren auf zwei Liter begrenzt.

Rennwagen auf der Strecke.

Jedes Jahr ändern sich die Regeln

Bis heute ändert der internationale Dachverband des Automobilsports, die "Fédération Internationale de l´Automobile" (FIA), fast jedes Jahr die technischen Anforderungen, die einen Rennwagen zu einem regelgerechten Formel-1-Auto machen.

Tod auf der Strecke

1950 wurde das erste offizielle Formel-1-Rennen im britischen Silverstone gestartet. Seitdem werden jedes Jahr Weltmeisterschaften in dieser Rennklasse ausgetragen. Pro Saison werden in unterschiedlichen Ländern mehrere Grand Prix veranstaltet, bei denen die Fahrer WM-Punkte sammeln können: Keiner war dabei so emsig wie Michael Schumacher. Der Rennfahrer aus Kerpen ist mit sieben Weltmeisterschaften der erfolgreichste Fahrer aller Zeiten.

Doch Helden waren die Männer in den schnellen Autos schon lange vor Schumacher, auch deswegen, weil die Königsklasse bis in die 1990er Jahre hinein als extrem gefährlich galt. Mehr als zwei Dutzend Fahrer kamen während Formel-1-Rennen ums Leben.

Kaputter Rennwagen.

Sennas Bolide nach dem Unfall

Der letzte Fahrer, der auf dem Kurs tödlich verunglückte, war der Brasilianer Ayrton Senna. Der mehrfache Weltmeister starb 1994 beim Großen Preis von San Marino. Seitdem hat sich die Sicherheit für Formel-1-Piloten enorm verbessert: Die Bauweise der Autos wurde zugunsten der Sicherheit verändert, Streckenführungen und Sicherheitsbegrenzungen wurden an die hohen Geschwindigkeiten angepasst. Bei Spitzengeschwindigkeiten weit jenseits von 300 Kilometern pro Stunde sind jedoch auch in Zukunft tödliche Unfälle keineswegs ausgeschlossen.

Technik am Limit

Es ist aber nicht die Spitzengeschwindigkeit, die die Formel 1 zur herausragenden Rennklasse macht. In den 1960er Jahren gab es Serienfahrzeuge, die deutlich mehr Leistung hatten als ein Formel-1-Wagen und selbst heute sind Sportwagen erhältlich, die ähnliche Spitzengeschwindigkeiten und PS (Pferdestärken)-Zahlen erreichen. Doch anders als gewöhnliche Sportwagen, erlauben die Formel-1-Motoren extreme Beschleunigungen und Verzögerungen: In zwei Sekunden beschleunigt ein Formel-1-Wagen auf 100 Kilometer pro Stunde.

Mechaniker an einem Rennwagen in einer Halle.

Stetiges Tüfteln an den technischen Meisterwerken

Noch dramatischer ist die Bremswirkung: In weniger als zwei Sekunden kann der Wagen von Tempo 200 auf Null gebracht werden. Solche Leistungen beanspruchen Material und Fahrer: Ohne eine hervorragende Kondition kann kein Rennfahrer ein Formel-1-Rennen bewältigen - und ohne massive Investitionen in die Technik kann kein Rennstall an die Spitze fahren.

Kurven und Schikanen

Die Formel 1 ist in erster Linie eine europäische Rennklasse. Obwohl auch außerhalb Europas Grand Prix gefahren werden, konnte sich die Formel 1, etwa in den USA, nie richtig etablieren. Die Topklasse des amerikanischen Rennsports wird mit den sogenannten "Champ Cars" gefahren. Rennwagen, die einem Formel-1-Auto zwar sehr ähnlich sehen, aber technisch deutlich einfacher konstruiert sind - obwohl sie höhere Spitzengeschwindigkeiten erreichen.

Champ-Car-Rennen wie etwa die berühmten "Indy 500" in Indianapolis werden häufig auf Ovalkursen ausgetragen, während die Strecken der Formel 1 wesentlich mehr Herausforderungen an Auto und Fahrer bereithalten. In Haarnadelkurven und Schikanen müssen die Wagen stark abgebremst werden, das Gefühl für den spätesten Bremspunkt ist ein wesentlicher Faktor für die Rundenzeiten.

Doch gerade in der Schwierigkeit mancher Kurse liegt auch ein Problem der Formel-1-Rennen: Überholmanöver sind schwierig und nur möglich, wenn die Unterschiede in Beschleunigung und Spitzengeschwindigkeit bei den Wagen relativ groß sind. Auf manchen Strecken, etwa dem berühmten Stadtkurs von Monaco, sind packende Zweikämpfe deswegen die Ausnahme.

Die Streckenführungen haben auch zahlreiche Unfälle und Ausfälle zur Folge: Verschätzt sich ein Fahrer beim Anfahren einer Kurve nur um wenige Bruchteile einer Sekunde, kann er den Wagen nicht mehr auf der Strecke halten und rutscht ins Kiesbett. Solche unfreiwilligen Ausflüge in den Außenbereich der Rennanlagen sind heute in aller Regel ungefährlich: Auslauf und Sicherheitszonen gewähren den Fahrern so viel Schutz, dass nicht jeder Fehler mit lebensgefährlichen Unfällen bezahlt werden muss.

Autor/in: Malte Linde

Stand: 20.10.2014, 13:00

Darstellung: