Konsum adé

Frau repariert CD-Player

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Konsum adé

Schon mal im Repair-Café gewesen oder etwas in die Givebox gelegt? Immer mehr Menschen suchen nach Wegen, um die Ressourcen zu schonen. Dabei kombinieren sie traditionelle Konsumformen wie das Teilen, Tauschen und Leihen mit moderner Technik. Auch das lange verpönte Reparieren findet zunehmend Anhänger.

Zum Konsum erzogen

Muss man eigentlich alles besitzen, nur weil man es nutzen möchte? Früher hätten sich die Menschen über diese Frage gewundert. Das Geld war knapp. Sich gegenseitig Geräte und Gebrauchsgegenstände auszuleihen oder zu teilen, war ganz normal.

Mit dem Wirtschaftsaufschwung änderte sich die Einstellung zum Besitz. Wer es sich leisten konnte, kaufte sich alle Geräte selbst. Heute kommen viele Geräte sogar mehrmals in Partnerschaften und Familien vor. Typische Beispiele sind Autos, Computer, Telefone und Fernseher.

Heute meins, morgen deins – die neue Sharing-Economy

Angesichts der knapper werdenden Ressourcen empfinden immer mehr Menschen dieses moderne Konsumverhalten als überholt. Statt alles zu besitzen und damit den Rohstoffverbrauch weiter anzuheizen, beleben sie die traditionellen Konsumformen wieder: Sie teilen, tauschen, leihen und verleihen Dinge.

Die US-Autorin und Gründerin des "Collaborative Lab" Rachel Botsman hat diese neue Art des Konsums "Collaborative Consumption" getauft, zu deutsch: gemeinschaftlicher Konsum.

Auch der Soziologe und Ökonom Jeremy Rifkin spricht von einer "Sharing Economy", der Ökonomie des Teilens. Am besten gedeihe sie in den Städten, wo die Menschen nah beieinander wohnen und das gemeinschaftliche Nutzen und Teilen deshalb leichter seien.

Aber ohne Technik geht es nicht. Viele Sharing-Angebote besitzen eigene Internet-Plattformen, auf der sich die Interessenten bequem per Smartphone über das Angebot informieren und meist auch gleich alles Weitere regeln können.

Dadurch geht das moderne Sharing weit über das traditionelle Teilen unter Freunden und Nachbarn hinaus. Man muss sich nicht kennen, um eine Bohrmaschine, ein Auto oder Lebensmittel zu teilen.

Schlüsselübergabe beim Car-Sharing

Car-Sharing findet immer mehr Zulauf

Gut leben ohne Besitzen

Den unguten Beigeschmack von Verzicht und Armut hat das Sharing auf diese Weise abgelegt. Wer Sharing übers Internet betreibt, ist hip – was man auch daran merkt, dass es neue Begriffe wie "Couch-Surfing" und "Swappen" gibt.

Beim "Couch-Surfen" bieten Menschen in aller Welt kostenlos ihr Sofa zum Übernachten an. Vier Millionen Menschen sind bei der Plattform couchsurfing.com bereits registriert.

Beim "Swappen" tauschen Leute Kleidungsstücke. Die bekannteste deutsche Internet-Plattform ist die "Kleiderbörse". Zudem gibt es fast allen Großstädten Swapping-Partys – oft mit bis zu 800 Gästen.

Eine andere Form des internet-basierten Teilens sind beiden Plattformen "foodsharing.de" und "lebensmittelretter.de". Auf ihnen kann jeder, der sich einloggt, überschüssige Lebensmittel ins Netz stellen – zum Beispiel vor einem Urlaub.

Die Lebensmittelretter kooperieren zudem ähnlich wie die Tafeln mit Supermärkten. Bei "mundraub.org" sind herrenlose Obstbäume und -sträucher in ganz Europa verzeichnet, die man abernten kann.

Außerdem laden Obstbaumbesitzer zur Ernte in ihre Gärten ein, zum Beispiel wenn sie verreist sind oder zu alt, um selbst auf den Baum zu klettern.

In die Leihläden wiederum kann man Geräte und Gebrauchsgegenstände bringen, die man nur selten braucht und daher gut verleihen kann. Dazu gehören Werkzeuge, Haushalt-, Sport- und Gartengeräte sowie Spiele und Bücher.

Leihladen in Maintal-Doernigheim bei Frankfurt

Leihen statt kaufen ist "in"

Mit der Verleih-Erlaubnis erwirbt man sich auch das Recht, selbst etwas auszuleihen und ist zudem die oft sperrigen Geräte zu Hause los. Im Internet-Auftritt der Leihläden markiert eine Ampel, ob ein Gegenstand gerade frei ist.

Auch beim Carsharing hat die Technik die Zahlen nach oben katapultiert. Der neueste Trend: Man ortet per App das nächstgelegene Carsharing-Auto, fährt los und stellt es am Ziel wieder ab. Dieses Konzept ist so vielversprechend, dass auch Konzerne wie Mercedes und BMW in den Carsharing-Markt eingestiegen sind.

Auch Unternehmen selbst wollen offenbar nicht mehr alles besitzen. So werden beispielsweise Baumaschinen von den Herstellern zunehmend farbneutral gestrichen und mit austauschbaren Logos versehen, damit sie an verschiedene Firmen verliehen werden können.

"Giveboxen" und Umsonstläden

Manchmal sind Dinge auch ein Fall für eine "Givebox" oder einen Umsonstladen. Giveboxen stehen auf Plätzen oder an Straßen und ähneln oft Kleiderschränken.

Umsonstläden werden meist von Wohlfahrtsorganisationen eingerichtet. Bei beiden kann man Dinge abgeben, die man selbst nicht mehr benutzt, die andere Menschen aber vielleicht noch gebrauchen können.

Typische Inhalte von Giveboxen sind Bücher, abgelegte Kinderkleidung und Geschirr, aber auch elektrische Geräte zum Ausschlachten. Gegenstände in Giveboxen und Umsonstläden werden verschenkt.

In Deutschland dürfen Giveboxen aus ordnungsrechtlichen Gründen nur auf privatem Gelände stehen. In Großstädten wie Berlin gibt es auch hauseigene Giveboxen und Verschenk-Kartons im Treppenhaus.

Eine alte Telefonzelle wird zur Minibibliothek

Aus einer alten Telefonzelle wird eine Minibibliothek

Die neue Lust am Reparieren

Eine weitere Methode, um die Nutzungsdauer von Geräten und Gebrauchsgegenständen zu erhöhen, ist das Reparieren. Auch davon gibt es eine moderne Variante, die aus den Niederlanden kommt: das Repair-Café. Wie der Name sagt, treffen sich im Repair-Café Menschen zum gemeinschaftlichen Reparieren.

Dabei kann so gut wie alles mitgebracht werden: elektrische und mechanische Haushaltsgeräte, Unterhaltungselektronik, aber auch Kleidung und Spielzeug. In der Regel sind ein paar ausgewiesene, ehrenamtlich arbeitende Reparatur-Experten vor Ort, die auch einen Teil des Werkzeugs zur Verfügung stellen.

Jacek Wisniowski und Jutta Hippert reparieren ein Radio

Reparieren macht allen Spaß

Autorin: Beate Krol

Stand: 12.07.2018, 11:00

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