Sprachenstreit

Platz und Parlamentsgebäude in Barcelona.

Katalonien

Sprachenstreit

Von Claudia Heidenfelder

Die Avenida José Plat in Barcelona heißt mittlerweile wieder Avinguda Josep Pla. Straßenschilder in Katalonien sind heute fast ausschließlich in katalanischer Sprache zu finden. Selten gibt es Ausnahmen, nur die Autobahnschilder sind zweisprachig geschrieben.

Unterdrückte Kultur

Im Lauf der Jahrhunderte wurde die katalanische Kultur und damit auch ihre Sprache von Königen und Diktatoren immer wieder unterdrückt. Zuletzt geschah dies unter General Francisco Franco (1892 bis 1975). Nach dem Spanischen Bürgerkrieg (1936 bis 1939) schloss Franco das Katalanische aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens aus, in der Schule wurde ausschließlich spanisch unterrichtet.

Bis 1946 war Katalanisch sogar ganz verboten. Gesprochen wurde es trotzdem – allerdings führte die Sprache ein jahrzehntelanges Schattendasein. Die repressiven Maßnahmen wurden erst in den 1950er Jahren etwas gelockert, sodass allmählich wieder Bücher auf Katalanisch gedruckt werden konnten.

Mit dem Beginn des "Nova Canço" – des modernen katalanischen Chansons mit seinen bekanntesten Vertretern Raimon und Lluís Llach – erwachte in den 1960er Jahren ein neues Selbstbewusstsein. Das politische Engagement der Künstler sorgte für eine allmähliche Wiederbelebung der katalanischen Kultur.

Wiederbelebung der Sprache

Erst nach Francos Tod 1975 konnte sich die Lage wirklich entspannen. Eine neue Verfassung schuf 1978 die Voraussetzung für eine Wiedereinführung des Katalanischen im öffentlichen Leben. Diese legte Kastilisch (Spanisch) als Amtssprache von ganz Spanien fest, die Regionalsprachen sind jedoch ebenfalls offizielle Sprachen. Als Kulturgüter genießen sie außerdem besonderen Schutz.

Demgemäß wurde Katalanisch die Landes- und Amtssprache Kataloniens, Kastilisch behielt seine Stellung als Amtssprache bei. In Schulen und Hochschulen wird auf Katalanisch unterrichtet und auch in die Medien hat es Eingang gefunden.

1983 wurde der katalanische Sender "TV 3" gegründet, sechs Jahre später folgte "Kanal 33". Katalanische Tageszeitungen wie "El Punt Avui" spielen heute eine wichtige Rolle.

Mehrere katalanische Zeitungen übereinander

Katalanische Zeitungen haben heute hohe Auflagen

Neues Sprachgesetz

Politisches Ziel ist die "Normalisierung" des Katalanischen, das heißt sein Gebrauch in allen öffentlichen Bereichen. Das Gesetz von 1998 (Llei de Normalització Linguística) soll den Erhalt der Sprache sichern und macht Vorgaben für Schulwesen, Universität, Verwaltung, aber auch für Wirtschaft, Rechtswesen und Medien.

Regionales Fernsehen und private Radiostationen müssen nun 50 Prozent ihres Programms auf Katalanisch senden, die Quote für Musikstücke beträgt 25 Prozent.

Behördenangestellter kann nur werden, wer "Català" beherrscht. Wesentlich strenger als die alte Fassung von 1983 beinhaltet das Gesetz sogar Sanktionen gegen Verstöße.

Kritiker sehen in diesem Gesetz eine Zwangsmaßnahme, die gegenüber Spanischsprachigen genauso ungerecht und diskriminierend ist, wie die Maßnahmen der Franco-Diktatur gegen das Katalanische. Immerhin ist fast die Hälfte der Bevölkerung Kataloniens nicht-katalanischen Ursprungs.

Jordi Pujol, von 1980 bis 2003 Regierungschef von Katalonien, sah das immer anders. Immer wieder betonte er die Wichtigkeit der eigenen, lange Zeit verfolgten Sprache: "Ein Volk ist eine Frage der Mentalität, der Sprache, des Gefühls. Es ist eine Tatsache der Geschichte und der geschichtlichen Berufung, und es ist eine Tatsache der geistigen Gemeinschaft. Es ist schließlich ein Akt des Willens. In unserem Fall ist es auch, und ganz wesentlich, eine Tatsache der Sprache."

Jordi Pujol gibt ein Interview vor zahlreichen Mikrofonen verschiedener Fernsehsender.

Jordi Pujol – glühender Verfechter des Katalanischen

Weiterführende Infos

SWR | Stand: 08.07.2020, 15:52

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