Barcelona – von der Römersiedlung zur Smart City

Das junge Barcelona – Kreativ und gebeutelt Planet Wissen 17.09.2020 03:36 Min. Verfügbar bis 17.09.2025 WDR Von Carolin Wagner

Katalonien

Barcelona – von der Römersiedlung zur Smart City

Von Andrea Böhnke

Kataloniens Hauptstadt hat eine über 2000-jährige Geschichte. Spuren der Römer sind noch heute zu entdecken. Dabei ist Barcelona längst zu einer smarten City geworden.

Die römische Kolonie

Am Mittelmeer, auf dem Plateau zwischen den Flüssen Besòs und Llobregat – dort, wo das heutige Barcelona liegt –, sollen bereits in prähistorischen Zeiten Menschen gewohnt haben. Sie lebten aber wohl eher in kleinen Gruppen an mehreren Orten, statt gemeinsam in einer Siedlung.

Das änderte sich, als die Römer etwa 15 vor Christus die Gegend entdeckten und auf dem Hügel Tàber eine Kolonie gründeten. Ein strategisch günstiger Standort; von dort aus ließ sich sowohl das Land als auch das Wasser überblicken. Heute stehen an dem Ort, an dem sich die Römer niederließen, Barcelonas Rathaus und der Palast der katalanischen Regierung.

Die Römer nannten ihre Kolonie "Julia Augusta Faventia Paterna Barcino", kurz Barcino, und errichteten eine Mauer um ihre Stadt. Diese musste in den folgenden Jahrhunderten mehrmals erweitert werden, da Barcino schnell wuchs. Archäologische Funde aus der Zeit der Römer sind heute im Museu d'Història de la Ciutat ausgestellt.

Ein alter gemauerter Torbogen aus der Zeit der Römer

Die Römer haben in Barcelona Spuren hinterlassen

Die mittelalterliche Handelsstadt

Nach dem Ende des Römischen Reichs im fünften Jahrhundert wurde Barcelona mehrmals besetzt: erst durch die Westgoten, dann durch die Mauren und später durch die Franken.

Letztere ernannten Barcelona Anfang des neunten Jahrhunderts zur Hauptstadt der Spanischen Mark, der südlichsten Provinz des Frankenreichs, das sich im Norden etwa bis zur Elbe erstreckte. Dank der römischen Wehranlagen war Barcelona für die Franken ein idealer Standort, um ihr Reich gegen Spanien zu verteidigen.

Unter den Franken wurden Barcelona und das umliegende Land zudem zur Grafschaft ernannt. Der Titel "Graf von Barcelona" wurde zunächst vergeben, später vererbt. Ende des neunten Jahrhunderts schlossen sich die Grafen von Barcelona mit anderen in der Umgebung zusammen und erklärten ihre Unabhängigkeit: Katalonien entstand.

Im zwölften Jahrhundert schloss sich die Region dem Königreich Aragonien an, das sich zu diesem Zeitpunkt über weite Teile Nordspaniens erstreckte. Der Zusammenschluss machte Barcelona zu einer bedeutenden Handelsstadt. Durch den wirtschaftlichen Aufschwung wuchs die Bevölkerung so stark, dass sie teils außerhalb der Stadtmauern leben musste.

Blick in die Kathedrale von Barcelona

Die Kathedrale von Barcelona wurde im gotischen Stil gebaut

Die moderne Stadt

Als Christoph Kolumbus 1492 Amerika entdeckte, bedeutete dies das Ende des Wirtschaftswachstums in Barcelona sowie auch im Rest Kataloniens. Die Städte an der spanischen Westküste, am Atlantik, wurden für den Handel bedeutender als jene, die am Mittelmeer lagen.

Im 18. und 19. Jahrhundert wurde Barcelona zudem gebeutelt durch verschiedene Auseinandersetzungen und Aufstände, die vor allem mit der neuen Monarchie zusammenhingen.

Wirtschaftlich ging es für die Stadt erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts wieder aufwärts. Dies war mit ein Grund, warum der mittelalterlicher Wall in dieser Zeit abgerissen und ein neuer Stadtteil gebaut wurde. "Eixample" (übersetzt: Erweiterung) wurde von Stadtplaner Ildefons Cerdà entworfen und bestand aus quadratischen Häuserblocks mit abgerundeten Ecken. Cerdà schuf damit unwissentlich die Grundlage für das Barcelona der Zukunft.

Luftbild der quadratischen Häuserblocks in Barcelona

Die quadratischen Häuserblocks aus dem 19. Jahrhundert waren Vorbild für das moderne Barcelona

Die smarte City

Smart, smarter, Barcelona: Die Regierung der Stadt hat in den vergangenen Jahrzehnten verschiedene Projekte ins Leben gerufen, die aus der ehemaligen römischen Kolonie eine Stadt der Zukunft machen sollen.

Seit einigen Jahren entstehen etwa sogenannte Superblocks, die im Kern auf den Plänen von Stadtplaner Cerdà basieren. Vier bis neun normale Häuserblocks bilden einen Superblock und werden dauerhaft für den Durchgangsverkehr gesperrt. Lediglich Anwohner und Lieferanten dürfen in die Superblocks hineinfahren; mit maximal zehn Kilometern pro Stunde.

Weil weniger Autos unterwegs sind, ist die Luft in den Superblocks besser, es ist leiser und es sind mehr Fußgänger auf den Straßen unterwegs. Aktuell existieren in Barcelona fünf dieser autofreien Zonen, aber es gibt Pläne, die Zahl auf 500 zu erhöhen.

Streifzug durch Barcelona Planet Wissen 17.09.2020 05:09 Min. Verfügbar bis 17.09.2025 WDR Von Carolin Wagner

Die Hauptstadt Kataloniens hat sich aber nicht nur städtebaulich verändert, sie transformiert sich auch digital. Sensoren im Boden melden Autofahrern beispielsweise per App, wo sie freie Parkplätze finden. Smarte Haltestellen verraten Wartenden, auf welcher Straße ihr Bus gerade fährt. Und intelligente Straßenlaternen sparen Energie, wenn möglich, und leuchten nur, wenn es nötig ist.

Darüber hinaus sind in der ganzen Stadt Sensoren angebracht, die der Verwaltung zum Beispiel melden, wie voll die Müllcontainer sind und ob die Wiesen in den Parks zu trocken sind.

Die Daten, die hierbei gesammelt werden, sind auch für Bürger und Unternehmen zugänglich. Über eine frei zugängliche Software-Plattform können Privatpersonen der Regierung zudem eigene Ideen vorschlagen und so ihre Stadt aktiv selber mitgestalten.

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WDR | Stand: 21.08.2020, 09:00

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