Die katalanische Flagge

Links die katalanische Flagge, rechts die spanische

Katalonien

Die katalanische Flagge

Von Tobias Aufmkolk und Claudia Heidenfelder

Vier rote Querstreifen auf gelbem Grund: Der Ursprung der katalanischen Flagge reicht bis weit ins Mittelalter zurück. Um ihre Entstehung rankt sich eine Legende.

Die erste katalanische Dynastie

Wenn man der Legende glauben schenkt, war das so: Ein katalanischer Graf mit dem schönen Namen Guifré el Pelós – zu Deutsch: Wilfried, der Haarige – kämpfte gegen das wilde Seeräubervolk der Sarazenen. Dabei wurde er verwundet.

Der fränkische Kaiser Karl der Kahle (823 bis 877) besuchte den Verletzten an seinem Krankenlager und entdeckte, dass dessen Schild noch ohne Wappen war. Kurzerhand tauchte er seine Finger in Wilfrieds Blut und malte damit vier rote Streifen auf das goldene Schild. Sie wurden zu den "quattre barres", die das gelbe Tuch der katalanischen Fahne durchziehen.

Vielleicht ist dies nur eine Legende, doch Wilfried den Haarigen gab es wirklich. Er regierte als Graf Ende des 9. Jahrhunderts weite Teile Kataloniens. Damals hatte sich Nordspanien bereits von der maurischen Herrschaft befreit. 785 zogen die Truppen des fränkischen Kaisers Karl des Großen über die Pyrenäen und nahmen die Stadt Girona ein.

801 gründete Karl der Große dann die "Spanische Mark", die weite Teile Kataloniens umfasste und bis südlich von Barcelona reichte. Das von den Franken eingerichtete Grenzgebiet diente fortan als Pufferstaat zwischen dem Frankenreich und dem maurisch beherrschten "Al-Andalus" auf der Iberischen Halbinsel.

Die "Spanische Mark" wurde in viele kleine Grafschaften aufgeteilt, deren lokale Herrscher von den jeweiligen fränkischen Kaisern eingesetzt wurden. 878 gelang es Wilfried dem Haarigen, dem Grafen von Barcelona, erstmals mehrere Grafschaften unter die Kontrolle eines einzelnen Herrschers zu bringen. Er begründete zu diesem Zeitpunkt auch als erster katalanischer Herrscher eine Dynastie.

Fortan wurden die Grafen von Barcelona nicht mehr von den Franken eingesetzt, sondern durch Erbfolge bestimmt. Die fränkischen Kaiser bestätigten sie dann lediglich noch offiziell in ihrem Amt. Viele Historiker sehen diesen historischen Einschnitt in die Befugnisse der Franken als Geburtsstunde der Eigenständigkeit Kataloniens an.

Ein Graf begehrt auf

Andere Historiker dagegen empfinden diesen Schritt als nicht weit genug für die Eigenständigkeit der Region. Sie setzen die Geburtsstunde Kataloniens etwas später an. Im 9. und 10. Jahrhundert wurde die Region mehrfach von fremden Völkern überfallen. Zunächst wüteten die Normannen an den Küsten (858 bis 859), später zogen die Ungarn durchs Land (942) und hinterließen zahlreiche Verwüstungen.

Als 985 nach jahrzehntelangem friedlichem Nebeneinanderleben das Kalifat von Córdoba Barcelona plündern ließ, wandte sich Graf Borrell II. (927 bis 992) hilfesuchend an seine fränkischen Lehnsherren. Doch die Hilferufe prallten am fränkischen König Lothar I. (946 bis 986) ab, er schickte keine Truppen zur Unterstützung.

Als dessen Nachfolger Hugo Capet (941 bis 996) im Jahr 987 den französischen Thron bestieg, verweigerte ihm Graf Borrell II. die Lehenstreue. Der fränkische König war jedoch zu schwach, um den aufmüpfigen Grafen in die Schranken zu weisen. Die katalanischen Grafschaften wurden praktisch unabhängig.

Kupferstich von Hugo Capet mit Bart, Krone und königlichem Umhang.

Hugo Capet war zu schwach einzugreifen

Im Gegensatz zu den anderen christlichen Reichen auf der Iberischen Halbinsel – Aragón, Navarra und Kastilien – gaben sich die katalanischen Herrscher fortan jedoch nicht den Titel eines Königs, sondern regierten als Grafen weiter.

WDR/SWR | Stand: 08.07.2020, 12:05

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