Geschichte Kataloniens

Antikes Viadukt.

Katalonien

Geschichte Kataloniens

Barcelona, Lloret de Mar oder Dalís Geburtsort Figueres sind vielen ein Begriff. Diese Städte liegen allesamt in der spanischen Region Katalonien. Eine Region, die sich seit Jahrhunderten von Spanien abgrenzen will. Die Katalanen betonen stets die Eigenständigkeit ihrer Kultur, ihrer Sprache und ihrer Traditionen. Trotz zahlreicher Fremdherrschaften kämpften sie immer wieder um ihre Unabhängigkeit. Was die Region im Nordosten Spaniens so besonders macht, zeigt ein Blick in ihre wechselvolle Geschichte.

Besiedlung der Küsten

Die Iberische Halbinsel wurde schon sehr früh besiedelt. Steinzeitliche Funde, wie die Felszeichnungen in der Höhle von Altamira in Nordspanien, belegen, dass bereits vor mehr als 20.000 Jahren Menschen die Gegend besiedelt haben.

Die ersten geschichtlich bezeugten Bewohner waren die Iberer. Sie stammten vermutlich von nordafrikanischen Berberstämmen ab, die über die Meerenge von Gibraltar eingewandert waren. Sie organisierten sich in Stammesverbänden und hatten bereits früh Kenntnisse in der Metallverhüttung und -verarbeitung.

An der Küste des heutigen Kataloniens lebten die Iberer eine Zeit lang friedlich zusammen mit nahegelegenen griechischen und phönizischen Siedlungen. In Ullastret an der Costa Brava sind noch die Überreste einer im 6. Jahrhundert vor Christus errichteten, einst sehr wohlhabenden iberischen Siedlung zu besichtigen.

Ab dem 6. Jahrhundert vor Christus besiedelten Griechen und Phönizier die katalanische Küste und gründeten vereinzelte Handelsstützpunkte. Ins von den Iberern beherrschte Landesinnere stießen sie dabei nur sehr selten vor. Als die Römer jedoch Interesse an der Iberischen Halbinsel zeigten, rangen sie den Iberern weite Teile des katalanischen Landesinneren ab.

Ruinen der griechischen Siedlung Empúries.

Die griechische Siedlung Empúries

Zankapfel der Großmächte

Während des Zweiten Punischen Krieges (218 bis 201 vor Christus) wurde die Gegend des heutigen Katalonien zum Zankapfel der antiken Großmächte Rom und Karthago. Unter dem Feldherren Hannibal hatten die Karthager weite Teile Südspaniens unter ihre Kontrolle gebracht. Rom beherrschte dagegen den nördlichen Teil bis zum Fluss Ebro.

Als Hannibal mit seinem Heer den Fluss überschritt, löste er damit einen erbitterten Krieg der beiden Großmächte aus, der über 17 Jahre dauerte. Er endete mit der Niederlage Hannibals und der totalen Zerstörung Karthagos.

In der Folgezeit bauten die Römer in Katalonien ihren Einfluss aus. Sie gründeten unter anderem die Siedlungen Tarraco (Tarragona), Barcino (Barcelona) und Gerunda (Girona). Uneingeschränktes Zentrum des römischen Spaniens war die Stadt Tarraco. Um die Zeitenwende war sie eine der reichsten und bedeutendsten Städte der Antike.

Römisches Amphitheater in Tarragona

Römisches Amphitheater in Tarragona

Mit dem Zusammenbruch des Römischen Reiches im 5. Jahrhundert nach Christus überrannten zunächst die germanischen Stämme der Vandalen, Alanen und Sueben die Iberische Halbinsel. Ihnen folgten die Westgoten, die die anderen Germanenstämme vertrieben und gut 200 Jahre die Halbinsel beherrschten.

Anfang des 8. Jahrhunderts waren die Westgoten untereinander aber so zerstritten, dass maurische Streitheere, die 711 aus Nordafrika übergesetzt hatten, innerhalb kurzer Zeit fast die gesamte Iberische Halbinsel unter ihre Kontrolle bringen konnten.

Wirtschaftlicher Aufschwung

Als die Araber ihren Einfluss über die Pyrenäen hinaus ausdehnen wollten, schlugen die Franken unter Karl Martell die maurische Invasion zurück und gründeten auf der Iberischen Halbinsel 801 die sogenannte "Spanische Mark". Sie diente fortan als Pufferstaat zwischen den maurisch kontrollierten Gebieten und dem Frankenreich.

Ende des 9. Jahrhunderts machten sich die Grafen der Hauptstadt Barcelona unabhängig: Zwischen 875 und 895 vereinte Guifrè el Pelós (Wilfried der Haarige) mehrere kleine Grafschaften, die fortan von Barcelona aus verwaltet wurden. Die meisten Historiker sehen in diesem Zusammenschluss die Geburtsstunde Kataloniens.

Im 12. Jahrhundert vereinte die Ehe von Graf Ramòn Berenguer IV. und Petronila von Aragòn die Grafschaft Katalonien mit dem Königreich von Aragonien. Nach diesem Zusammenschluss erlebte Katalonien eine Periode des wirtschaftlichen Aufschwungs.

Der katalanische Handel beherrschte den Mittelmeerraum, das Territorium dehnte sich bis Sizilien und Nordafrika aus. Den Mauren wurden sowohl die Balearen als auch das Königreich Valencia abgenommen.

Als schließlich König Ferdinand von Aragón 1469 Isabella von Kastilien, die wenig später den kastilischen Thron besetzte, heiratete, waren die zwei ehemals rivalisierenden Königreiche Aragón-Katalonien und Kastilien vereint. Das ganze christliche Spanien wurde nun von einer Krone regiert.

Von Kastilien erobert

Kataloniens wirtschaftlicher Niedergang begann 1492, als Kolumbus die Küsten Amerikas entdeckte. Der prosperierende Seehandel verlagerte sich nun vom Mittelmeer an den Atlantik, Spanien konzentrierte sich zusehends mehr auf die eroberten Gebiete in der Neuen Welt. Die wirtschaftliche Situation der Grafschaft Katalonien verschlechterte sich in den folgenden Jahrhunderten immer mehr.

Als sich die Katalanen im "Spanischen Erbfolgekrieg" (1701 bis 1714) auf die Seite des von England und Österreich bevorzugten Karl III. stellten, wurden sie von den verbündeten Staaten Kastilien und Frankreich vernichtend geschlagen. Kastilien annektierte Katalonien samt seiner Territorien, hob alle katalanischen Rechte auf und verbot die katalanische Sprache.

Kulturelle Blüte

Als Katalonien ab 1778 endlich mit Amerika uneingeschränkt Handel treiben durfte, entspannte sich die wirtschaftliche Lage wieder. Mit der Zeit wurde es sogar das wohlhabendste Gebiet der Iberischen Halbinsel. Innerhalb eines Jahrhunderts gewann Katalonien seine wirtschaftliche Bedeutung zurück und wurde zur am meisten industrialisierten Region Spaniens.

Mit dem erneuten Aufschwung erstarkte auch der katalanische Nationalismus wieder. Bis zum ersten Drittel des 20. Jahrhunderts erlebte Katalonien eine neue Zeit kultureller Pracht.

So entstand unter anderem die katalanische Kunstrichtung des "Modernisme" mit einem seiner bedeutendsten Vertreter: Antoni Gaudí i Cornet. Zentrum des neuen Stils war Barcelona, wo einzigartige Bauwerke wie die Kathedrale "La Sagrada Família" entstanden.

La Sagrada Familia

Antoni Gaudí – Meister des Modernisme

1906 fand ebenfalls in Barcelona der erste Kongress für katalanische Sprache statt. Eines seiner Hauptziele war die Standardisierung des Katalanischen. Parallel dazu erlangte das Land seine politischen Institutionen wieder und gewann nach dem Sturz der Monarchie 1932 auch die Autonomie zurück, allerdings nur für kurze Zeit.

Rückschritt unter General Franco

Die republikanische Phase im Anschluss an die Monarchie brachte dem spanischen Volk keine Ruhe, das politische Spektrum radikalisierte sich. Das Pulverfass explodierte, als am 18. Juli 1936 rechte Militärs, darunter General Franco, putschten und den Spanischen Bürgerkrieg auslösten. Katalonien kämpfte auf der republikanischen Seite.

1939 war der Krieg entschieden, die Republikaner geschlagen und Franco an der Macht. Dieser ließ jegliche Form von Regionalismus brutal niederschlagen. Wieder verlor Katalonien seine Autonomie. Die Sprache wurde erneut verboten, die Kultur unterdrückt. Doch die Katalanen ließen sich von der Diktatur nicht kleinkriegen und übten Protest, wenn auch nur mit mäßigem Erfolg.

General Franco in Uniform.

Bis ins hohe Alter hielt sich Franco als Diktator

Erst nach Francos Tod 1975 entschärfte sich die Situation. Die spanische Regierung gewährte der Region Katalonien 1977 beschränkte Autonomierechte mit einer provisorischen "Generalitat" (Regierung). Schrittweise wurde ihr die Verwaltung der vier Provinzen Barcelona, Tarragona, Lleida und Girona übertragen. Im Frühjahr 1980 fanden die ersten freien Wahlen zum katalanischen Parlament statt, die erste reguläre Regierung war gebildet.

Im Laufe der folgenden Jahrzehnte forderten die Katalanen immer mehr kulturelle und wirtschaftliche Unabhängigkeit von der Zentralregierung in Madrid. Im Jahr 2006 wurden die regionalen Kompetenzen dann auch erheblich erweitert. So darf sich Katalonien in seiner eigenen Verfassung fortan "Nation" nennen, auch wenn dieser Passus staatsrechtlich unbedeutend ist.

Zudem muss die Region seither deutlich weniger Steueranteile an die spanische Regierung abtreten. Schritt für Schritt erkämpft sich Katalonien so immer mehr Eigenständigkeit gegenüber dem Zentralstaat. Die Bildung eines eigenen Staates Katalonien strebt aber weder der Großteil der Bevölkerung noch die Autonomieregierung in Barcelona an.

Autoren: Tobias Aufmkolk/Claudia Heidenfelder

Stand: 21.02.2017, 16:45

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