Wenn Krankheiten dick machen

Eine extrem übergewichtige Person sitzt auf einem Gartenstuhl.

Adipositas

Wenn Krankheiten dick machen

Es gibt Medikamente, die das Gewicht steigen lassen. Und es gibt Erkrankungen, die uns dick machen, ohne dass wir etwas dagegen tun können. Einige dieser Erkrankungen sind selten und selbst unter Ärzten manchmal nicht bekannt.

Schilddrüsenunterfunktion

Eine der bekanntesten Erkrankungen, die das Gewicht in die Höhe schnellen lassen, ist die Unterfunktion der Schilddrüse. Sie tritt auf, wenn zu wenig Schilddrüsenhormone gebildet werden und daraufhin der gesamte Stoffwechsel im Körper herunterfährt.

Auslöser einer Unterfunktion kann eine Entzündung sein, wie sie beim Hashimoto-Thyreoiditis-Syndrom auftritt, einer Fehlreaktion des Immunsystems. Dabei wird Schilddrüsengewebe zerstört und durch Bindegewebe ersetzt.

Unterfunktionen können auch nach Operationen oder Radiojodbehandlungen auftreten. Eine Unterfunktion kann auch angeboren sein. Bei älteren Menschen wird die Unterfunktion häufig für eine Alterserscheinung gehalten und damit nicht behandelt.

Die Gefahr der Unterfunktion: Der Fettanteil steigt nicht nur am Körper, sondern durch den verlangsamten Stoffwechsel auch im Blut, sodass es zu Gefäßablagerungen und einem Herzinfarkt kommen kann.

Die fehlenden Schilddrüsenhormone lassen sich aber gut durch Medikamente ersetzen, die dann auch das Übergewicht und mögliche Wassereinlagerungen abbauen.

Grafik: Transparenter Torso eines Menschen, in dem der Dünndarm rötlich hervorgehoben ist.

Ein Zuviel an "falschen" Bakterien im Darm kann dick machen

Übergewicht durch Bakterien im Darm

Darmbakterien beeinflussen das Gewicht. Das haben Forscher vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam herausgefunden. Rund 160 verschiedene Bakterienarten besiedeln unseren Darm.

Gewinnen gewisse Bakterien, die zum Beispiel Serotonin erzeugen, die Oberhand, wird die Fettproduktion angekurbelt. Das haben Tierversuche erwiesen.

Dabei zeigte sich auch, dass es zu Übergewicht kommt, wenn ein Rezeptor mit dem Namen TLR5 fehlt; bestimmte schädliche Bakterien werden dann nicht erkannt.

Die Folge sind vermehrte Darmentzündungen. Und chronische Entzündungen, auch schwache, sind bei der Ausbildung von Übergewicht beteiligt. Eine ausgewogene Ernährung stützt den Darm und erhält die Bakterienvielfalt. Übertriebene Hygiene kann dagegen schädlich sein.

Die richtige Darmflora entscheidet

Die alte Geschichte vom guten Futterverwerter ist nicht ganz falsch: Das haben Forscher der Universität St. Louis herausgefunden.

Menschen, die viele Bakterien der Art Firmicutes in sich tragen, gewinnen aus ihrer Nahrung mehr Energie als andere – gut in Hungerzeiten, schlecht in heutiger Zeit, wo an jeder Ecke ein Nahrungsangebot wartet. Menschen mit vielen Bakterien der Art Bacteroidetes verwerten Nahrung weniger gründlich und bleiben eher schlank.

Welche Bakterienstämme sich in unserem Darm finden, können wir durch die Ernährung beeinflussen: Zucker und Alkohol zum Beispiel stören das Gleichgewicht der Bakterien in unserer Darmflora, Ballaststoffe helfen bei der Bakterienansiedlung. Auch eine zeitweise reduzierte Nahrung oder gar eine Fastenzeit hilft der Darmflora sich zu regenerieren.

Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCO-Syndrom)

Das Polyzystische Ovarialsyndrom (PCO-Syndrom) ist eine der häufigsten Ursachen von Unfruchtbarkeit und wird nicht immer gut diagnostiziert. Auch die Begleitsymptome wie starker Haarausfall, starke männliche Körperbehaarung, unregelmäßige Regelblutungen, Akne und Übergewicht sind für die betroffenen Frauen eine große psychische Belastung.

PCOS ist eine hormonelle Erkrankung: Der Körper produziert übermäßig viele männliche Hormone und bildet kleine, unreife Eizellen in den Eierstöcken. Dazu entwickeln Erkrankte häufig eine Insulinresistenz, die das Übergewicht fördert.

Was PCOS auslöst, ist noch nicht erforscht. Helfen können eine Hormontherapie, Diabetesmedikamente wie Metformin und eine grundlegende Ernährungsumstellung.

PCOS – seltene Krankheiten als Auslöser für Adipositas Planet Wissen 13.09.2021 03:12 Min. Verfügbar bis 13.09.2026 SWR

Cushing Syndrom

Das Cushing-Syndrom wird ausgelöst durch eine übermäßige Produktion des Nebennierenhormons Cortisol. Häufig ist die Ursache ein gutartiger Tumor an der Hirnanhangdrüse. Aber auch Tumore direkt an der Nebenniere können direkt Cortisol produzieren und somit Cushing hervorrufen.

Die Symptome sind ähnlich wie beim PCOS. Typisch bei Cushing ist eine hohe Gewichtszunahme im Gesicht (Vollmondgesicht) und um den Körperstamm – Arme und Beine sind davon meist nicht betroffen. Allerdings leiden nicht alle Cushing-Erkrankten unter Übergewicht.

In den letzten Jahren sind einige Medikamente zur Cushing-Behandlung zugelassen worden, aber die meisten Fälle werden durch eine Operation geheilt, bei der der Tumor an der Nebenniere oder an der Hirnanhangdrüse entfernt wird, um die übermäßige Cortisol-Produktion zu stoppen.

Die stark angeschwollenen Beine eines Menschen mit Lipödem.

Bei einem Lipödem kommt es zu Wassereinlagerungen im krankhaft vermehrten Fettgewebe

Lipödem

Insgesamt ist der Körper schlank, aber plötzlich werden Beine und Po ungewöhnlich dick und schmerzen. Das kann am Lipödem liegen. Hier handelt es sich im Grunde nicht um Übergewicht, sondern um Wassereinlagerungen im krankhaft vermehrten Fettgewebe.

Wer versucht, sich die dicken Oberschenkel wegzuhungern oder durch Sport wegzutrainieren, erreicht nicht viel. Zudem kann das radikale Abnehmen den Hormonhaushalt durcheinanderbringen und das kann das Lipödem noch verstärken.

Ein Lipödem setzt die Erkrankten unter gewaltigen psychischen Druck: Bei einer Studie mit 100 Lipödem-Patientinnen hatten 74 Prozent eine Essstörung entwickelt, davon 16 Prozent eine Magersucht.

Medikamente gegen das Lipödem gibt es noch nicht. Entstauungstherapien helfen, auch eine Nahrungsumstellung. Eine Liposuktion, eine operative Entfernung des Fettgewebes, beseitigt die Schwellungen, schützt aber nicht davor, dass die Beschwerden wiederkommen. 

Weitere Faktoren

  • Wechseljahre: In den Wechseljahren kommt die weibliche Hormonproduktion zum Erliegen. Die Östrogenproduktion nimmt ab, das männliche Testosteron überwiegt und die Fettpolster am Bauch wachsen. Ein anderer Aspekt: Das altersbedingte Schrumpfen der Muskelmasse. Muskeln verbrennen Fett; durch den Abbau der Muskelmasse verringert sich auch der Grundumsatz des Körpers. Frauen nehmen im Alter zu, obwohl sie nicht mehr essen als früher. Dagegen helfen eine gesunde, fettarme Ernährung und Bewegung, um die Muskeln zu erhalten und gegebenenfalls wieder aufzubauen.

Schlafstörungen: Ursache für Übergewicht Planet Wissen 13.09.2021 03:42 Min. Verfügbar bis 13.09.2026 SWR

  • Schlafmangel: Wenn das Gewicht unerklärlich steigt, können Schlafmangel und Schlafstörungen eine Rolle spielen. Denn bei Schlafmangel sinkt der Spiegel des Hormons Leptin, das den Stoffwechsel und das Hungergefühl steuert. Gleichzeitig produziert ein müder Organismus mehr Ghrelin, das den Appetit ankurbelt. Das haben Forscher des IFB (Integriertes Forschungs- und Behandlungszentrum für Adipositas Erkrankungen) in Leipzig herausgefunden. Auch Stress als Ursache für Schlafstörungen kann eine Rolle spielen. Denn Stress steigert die Ausschüttung des Hormons Kortisol, durch das sich unter anderem verstärkt Fettgewebe im Bauch bildet und das den Stoffwechsel beeinflusst. Wer nicht weiter zunehmen will, sollte darauf achten gut und ausreichend zu schlafen.

Stand: 13.09.2021, 12:00

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