Zehn Irrtümer rund ums Essen

Eine Präsentation von Obst und Gemüse für eine Messe.

Probiotika

Zehn Irrtümer rund ums Essen

Sich richtig ernähren ist heute so schwer wie nie zuvor. Wir haben einfach zu viel von allem – zu viel Fett, Zucker und Eiweiß, zu viele Kohlenhydrate und zu viel von industriell bearbeiteten Lebensmitteln. Wie soll man sich da noch richtig ernähren?

Damit wir uns in diesem Überangebot zurechtfinden und nicht vom gesunden Weg abkommen, sagen uns Ernährungsexperten, wo es langgeht. Trotzdem gibt es immer mehr übergewichtige Menschen und immer mehr leiden an Lebensmittelunverträglichkeiten.

Und noch etwas gibt es: eine ganze Reihe an Ernährungsirrtümern. Kaum eine Wissenschaft erfährt so viel Wandel wie die Ernährungswissenschaft. Im Folgenden sind einige Irrtümer aufgeführt.

1. Vorsicht mit dem Frühstücksei, es erhöht den Cholesterinspiegel

So viel wurde über das Cholesterin geschrieben – und so viel Schlechtes, dass man meinen müsste, es wäre für unseren Körper ein gefährlicher Schadstoff. Dabei ist Cholesterin ein lebensnotwendiger Baustein, der zum Beispiel für das Herz ganz wichtig ist.

Deswegen produziert der Körper das Cholesterin selbst und stoppt die Produktion, wenn zu viel von außen zugeführt wird.

Solange jemand keine wirkliche Cholesterin-Stoffwechselstörung hat, wird sich das berühmte Frühstücksei nicht weiter auf den Cholesterinspiegel auswirken. Ein weiterer Faktor, der beim Thema Cholesterin eine Rolle spielt, ist der Lezithingehalt des Eis. Lezithin hemmt die Aufnahme von Cholesterin.

Sechs braune Eier in einem Karton.

Cholesterinbombe Ei?

2. Salz erhöht den Blutdruck

Das ist nicht allgemein gültig. Es gibt sogenannte salzsensitive und nicht salzsensitive Menschen. Bei ersteren kann Salz Auswirkungen auf den Blutdruck haben, wenn sie größere Mengen zu sich nehmen.

Aber die meisten Menschen mit Bluthochdruck sind nicht salzsensitiv und es nützt ihnen kaum etwas, wenn sie salzarm essen.

Salzsensitive Menschen hingegen können mit Verzicht auf Salz den Blutdruck senken. Das lässt sich ganz einfach feststellen: Salz essen und Blutdruck messen. Eine andere, etwas technischere Methode ist es, den Natriumgehalt im Speichel messen zu lassen.

Bild eines kleinen Salzstreuers.

Ist wenig Salz gesünder?

3. Butter ist schlecht, Margarine schützt vor Herzinfarkt

Margarine wird gerne als die cholesterinarme Variante der Butter beworben. Aber dafür finden sich in Margarine oft Transfettsäuren. Diese stehen im Verdacht, das "schlechte Cholesterin" (LDL, Low Density Lipoprotein) zu erhöhen und daher gesundheitsschädlich zu sein.

Somit lässt sich nicht sagen, dass Margarine generell gesünder ist und vor Herzinfarkt schützt.

Allerdings hat die Margarineindustrie die Problematik erkannt und arbeitet daran. In den USA gibt es sogar ein Gesetz, das helfen soll, den Anteil der Transfettsäuren in Lebensmitteln gering zu halten.

Butter auf einem Untersetzer.

Schlechter als Margarine?

4. Kaffee entzieht dem Körper Wasser

Kaffee oder Koffein ist harntreibend, keine Frage. Das hängt vom Hydrierungsgrad ab, das heißt je nachdem, wie viel Flüssigkeit überschüssig im Körper vorhanden ist. Dennoch führen wir uns auch mit dem Kaffee Wasser zu. Die Ausbeute für unseren Wasserhaushalt ist also nicht gleich Null.

Es gibt Hinweise, dass einzelne Stoffe im Kaffee sogar eher gesund sein sollen. Ob Kaffee zu den gesunden Getränken gezählt werden soll, ist aber strittig. Zu viele Inhaltsstoffe und deren Wechselwirkungen untereinander sowie die verschiedenen Zubereitungsformen spielen bei der Wirkung von Kaffee eine Rolle.

Eine Tasse Kaffee.

Schädlicher Genuss?

5. Dunkle Schokolade ist der kleinere Dickmacher

Nein. Schokolade besteht hauptsächlich aus Kakaobutter, Kakaomasse und Zucker. Je höher der Anteil an Kakaomasse, desto dunkler und herber die Schokolade. Dunkle Schokolade unterscheidet sich von der Milchschokolade vor allem darin, dass keine Milch und kein Milchzucker enthalten sind.

Von der Kalorienzahl her sind dunkle und helle Schokolade aber vergleichbar. Einen Unterschied hinsichtlich der Verträglichkeit gibt es bei Menschen, die an einer Milchzuckerunverträglichkeit oder Laktoseintoleranz leiden.

Schokolade in verschiedenen Sorten und Formen.

Welche Sorte macht dicker?

6. Essen am Abend macht dick

Abends wenig zu essen, besonders schwer verdauliche Kost, macht Sinn. In der Nacht verdauen wir nicht mehr gut, der Magen-Darm-Trakt legt sich schlafen. Wir riskieren Völlegefühl und Magendrücken.

Auf das viel zitierte Kalorienkonto allerdings hat weniger Einfluss, wann wir essen, sondern eher was und wie viel.

Aber: Wir haben einen hormonellen Tagesrhythmus. Kalorien, die am Abend zugeführt werden neigen eher dazu, in Fett angelegt zu werden, als Kalorien, die wir tagsüber aufgenommen haben.

Brotzeitbrett mit Wurst, Käse, Gemüse und Brot.

Abends wie ein Bettelmann?

7. Zu viel Fleisch macht Gicht

Es gibt Menschen, die eine bestimmte Veranlagung für diese Krankheit haben und aufgrund ihres Stoffwechsels empfindlich auf größere Mengen Fleisch reagieren können.

Fleischkonsum erhöht den Harnsäurespiegel nur, wenn man zu einer Harnsäure-Stoffwechselstörung neigt, aber sie löst keine Harnsäure-Stoffwechselstörung aus.

Somit kann man sagen, wer Gicht hat, sollte wenig Fleisch essen. Fleisch ist aber nicht der Auslöser von Gicht.

Kurz gebratene Rindersteaks.

Löst Fleisch Gicht aus?

8. Salat ist reich an Vitaminen

Nein. Salat besteht zu 95 Prozent aus Wasser. Vitamine sind rar. Ein Blick in die Nährwerttabellen zeigt, dass Tomaten doppelt so viel Vitamin C enthalten wie Salat, Weißkohl die dreifache Menge und Paprika sogar mehr als das Achtfache.

Ähnlich ist die Situation hinsichtlich des Beta-Carotins. Im Vergleich zum grünen Blattsalat haben andere Gemüse das Doppelte bis 20-Fache zu bieten.

An Folsäure jedoch hat der Salat die höchsten Konzentrationen. Und das ist nicht uninteressant, zumal vor allem junge Frauen auch in unseren Landstrichen an einer Folsäure-Unterversorgung leiden können.

Grüner Blattsalatkopf auf einem hellen Holzhintergrund.

Was ist drin im Salat?

9. Spinat enthält viel Eisen

Falsch. Spinat enthält auch nicht mehr Eisen als anderes Gemüse. Angeblich analysierte im 19. Jahrhundert ein Professor den Spinat und kam auf 35 Milligramm Eisen je 100 Gramm. Diese Menge Eisen entspricht aber einem ganzen Kilo Spinat. Er hatte sich um eine Kommastelle vertan.

10. Ballaststoffe, Obst und Gemüse schützen vor Krebs

Studien konnten den schützenden Effekt der Ballaststoffe nicht nachweisen. Nach einer Studie von Hsin-Chia Hung und Walter Willet, Harvard University Boston/"Journal of the National Cancer Institute", auch nicht Obst und Gemüse.

Hier kamen die Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass die Teilnehmer, die am meisten Obst und Gemüse aßen, deswegen nicht seltener an Krebs erkrankten, als die übrigen Versuchsteilnehmer. Verglichen mit den "Grünzeugmuffeln" erlitten sie allerdings seltener einen Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Autorin: Andrea Wengel

Stand: 17.07.2017, 13:13

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