Kleine Farblehre

Planet Wissen 28.09.2022 01:24 Min. Verfügbar bis 28.09.2027 WDR

Natürliche Farben

Herkunft und Symbolik der fünf wichtigsten Farben

Was wäre die Welt ohne Gelb, Rot, Blau, Grün und Purpur? Farben spielen in der Kulturgeschichte des Menschen eine extrem wichtige Rolle. Hier ein kurzer Überblick.

Von Cristina Moles Kaupp

Gelb

Safrangelbe Gewänder waren einst dem chinesischen Volk verboten, nur der Kaiser und buddhistische Mönche durften sie tragen. Der edle Farbton kam von den Stempelgefäßen des Safran, einem im Herbst blühenden Krokusgewächs, das den Herbstzeitlosen in unseren Breiten ähnelt.

8000 Blüten ergeben 100 Gramm braunrote, getrocknete Fäden, aus denen sich mit Wasser der Farbstoff "Crocin" gewinnen lässt. Safran hat eine unglaubliche Färbekraft: selbst im Verhältnis von 1 zu 200.000 bleibt die Farbe sichtbar. Das Gewürz galt auch als Aphrodisiakum und diente zum Färben von Kosmetika und Speisen.

Als Ersatz für das kostbare Safrangelb wurden die Resedapflanze und die billige Gelbwurz (Kurkuma) genutzt.

Safrangelb galt als Farbe der Liebe und später auch der Wollust. Daher erklärte die Kirche im Mittelalter Gelb zur Farbe der Prostituierten – sie hatten als Erkennungszeichen einen gelben Gürtel oder ähnliches zu tragen.

Gelb wurde zunehmend negativ besetzt: Judas trug einen gelben Verrätermantel, im 12. Jahrhundert mussten Juden einen gelben Hut tragen wie später unter den Nationalsozialisten den gelben Judenstern. Begriffe wie "gallengelb" oder "gelb vor Neid" bürgerten sich ein.

Das sonnige Gelb steht aber auch für Erkenntnis und Reife.

Ein junger buddhistischer Mönch im gelben Gewand

Safrangelb – die Farbe der Kaiser und Mönche

Purpur

Für echten Purpur gibt es keinen Ersatz. Der königliche Farbstoff ist noch heute der teuerste. Purpur symbolisierte Macht und so hüllten sich bereits die Könige Israels und die Kaiser Persiens in purpurrote Gewänder. Während der Regierungszeit von Nero war es nur dem römischen Kaiser erlaubt, diese Farbe zu tragen – jedem anderen drohte die Todesstrafe.

1468 führte Papst Paul II. das Purpurrot für Kardinäle ein. Die Farbe sollte die Treue zum Papst bis hin zum Blutvergießen symbolisieren.

Paul II. führte den Kardinalsrock, ein majestätisches, purpurrotes Zeremonialgewand ein, um die Mitglieder des Heiligen Kollegiums von anderen Geistlichen zu unterscheiden. Allerdings behalf man sich hier bald mit Karminrot, das von den Koschenille-Läusen stammt.

Kardinäle der katholischen Kirche in Rom während der Inauguration von Papst Franziskus am 19.03.2013

Purpur ist die Farbe der Kardinäle

Rot

Die Farbe des Feuers, der Leidenschaft und des Blutes kommt in der Natur häufig vor. Rote Pigmente werden aus Eisenoxid, rotem Ocker, Bolus, Rötel oder Zinnober gewonnen. Henna, Krapp und die Koschenille-Läuse sind ebenfalls gute Farblieferanten.

Rund um den Erdball hat Rot eine ungeheure symbolische Wirkung. So soll Adam aus roter Erde entstanden sein und chinesische Frauen tragen zur Hochzeit Rot, weil es die Farbe des Weiblichen ist. Rote Brautkleider waren im 18. Jahrhundert auch hierzulande ein glücksbringender Brauch.

Rot sollte vor bösen Mächten schützen, es galt als magische Farbe. Naturvölker badeten ihre Waffen in Blut, wie einst Siegfried der Drachentöter. Wer einen Rubin trug, wähnte sich unverwundbar und rotes Bettzeug sollte gegen Krankheiten schützen.

Die Farbe der Macht bekamen auch die Henker umgelegt: Ihre roten Roben signalisierten ihre Funktion als Herrscher über Leben und Tod. Noch heute tragen die Richter des Bundesverfassungsgerichtes einen Talar aus roter Wolle.

Allerdings hat Rot auch negative Bedeutungen, gilt als Farbe der Dämonen und Teufel. Rothaarige wurden im Mittelalter und der frühen Neuzeit als Hexen verfolgt, man traute weder dem roten Fuchs, noch den "roten Teufeln" des Kommunismus. Die Farbe ist seit der Russischen Revolution 1907 politisch besetzt: Das russische Wort "krasnaja" bedeutet gleichzeitig "rot" und "schön".

Im Straßenverkehr signalisiert Rot Gefahr: Rote Ampeln gebieten Stillstand, Bremslichter und Alarmknöpfe sind ebenfalls rot. Auch Tiere setzen bei der Balz oder zur Abschreckung auf die Signalfarbe.

Rotes Ampelmännchen in Großaufnahme

Rot ist die wichtigste Signalfarbe

Grün

Grün bedeutet Fruchtbarkeit. Etymologisch kommt das Wort vom germanischen "ghro", was soviel wie "Wachsen" oder "Gedeihen" bedeutet. Blätter sind wegen des Chlorophylls grün, doch der Farbstoff lässt sich besser aus Grüner Erde (Eisen(II)-silikat, Magnesiumsilikat mit Tonanteilen), Malachit oder Grünspan gewinnen.

Zur Zeit der Minnesänger galt Grün noch als Farbe der Liebe. Alle jungen, unverheirateten Frauen trugen grüne Kleider, damit der Jüngling hoffen konnte, dass sein Werben erhört werde. In Korea gehört nach wie vor zum Hochzeitskleid einer Braut ein grünes Tuch.

Seine ursprüngliche Fruchtbarkeitssymbolik war der Kirche allerdings suspekt, und so wurde die Farbe mit Anrüchigem verknüpft: der Teufel, als Jäger der Seelen, trug einen grünen Rock. Verschärfend war die Kombination mit dem negativen Gelb.

Als Giftgrün hielt sich das so genannte Schweinfurter Grün von 1800 im Gedächtnis. Diese Malfarbe wurde aus Grünspan und Kupferarsenit gewonnen und war eine der giftigsten Farben – sie enthielt schließlich Arsen.

Dennoch symbolisiert Grün auch Hoffnung und Erneuerung. Ein alter Brauch besagt, dass man am letzten Tag der Buß- und Fastenzeit grünes Gemüse essen soll, als Symbol der Befreiung von den Sünden.

Landschaft in der Toscana

Grün steht für die Hoffnung

Blau

Blau ist die Farbe der Götter – wohnen sie nicht im Himmel, jenem unendlichen Blau? Auch das Wasser kennt sämtliche Blauschattierungen, doch fassbar wird das Farbpigment selten. Lapislazuli, Azurit, Färberwaid und Indigo sind einige wenige natürliche Lieferanten.

Götter tragen stets blaue Gewänder – im alten Babylonien wie in Persien und bei den Nilgöttern Ägyptens. Indische Götter besitzen eine blaue Haut, der blaue Elefant ist ein Symbol der Erleuchtung. Frau Holle, die Himmelsmutter, trägt einen weiten, blauen Mantel – ebenso die Jungfrau Maria.

Der Zustand der Materie am Anfang der Welt wird im Hinduismus als blaues Licht gedacht und deutsche Dichter kreisten um die "Blaue Blume" der Romantik. Blau steht für seelische Tiefe, Unendlichkeit und nicht zuletzt für Treue. Das erklärt den alten Brauch, dass doch ein Saphir den Verlobungsring zieren möge.

Blau ist nicht nur in den Märchen der Gebrüder Grimm ein freundliches, Hoffnung bringendes Licht. Auch das Blaulicht von Rettungs-, Feuer- und Polizeifahrzeugen soll daran erinnern.

Blauer Himmel mit einigen weißen Wolken.

Blau ist die Farbe der Götter

(Erstveröffentlichung 2009. Letzte Aktualisierung 10.12.2020)

Quelle: WDR

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